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Über William Voltz
Zum Tod von Hans Kneifel

Als ich vor ein paar Wochen den braunen Umschlag öffnete, um PERRY RHODAN - Band Nr. 2635 herauszunehmen, freute ich mich sehr darüber, dass Hans Kneifel der Autor dieses Romans war. Eines der letzten Urgesteine der PERRY und ATLAN - Szene sollte und wollte noch mal richtig ins Geschehen eingreifen. Verlag und Autor hatten Pläne, an denen eifrig gearbeitet wurde.
Wie man anlässlich des 50-Jahre Cons in Mannheim feststellen konnte, hatte der beliebte Autor noch immer eine große Anhängerschar, die sich auf seine Romane freute.

Hans Kneifel.

Die Nachricht von seinem Tod kam überraschend und schockierte jeden, der ihn gekannt hatte. Wie immer in solchen Situationen, lässt man seine Gedanken in die Vergangenheit schweifen. Ich erinnere mich an die Zeit vor mehr als vierzig Jahren, die Hans in unserer kleinen Wohnung in Offenbach verbrachte, um mit Willi Exposés für die Rhodan - Serie auszuarbeiten. Hans, der Junggeselle, war es nicht gewöhnt, dass kleine Kinder um ihn herumschwirrten, wenn er sich auf seine Arbeit konzentrieren musste.
Es ließ sich alles organisieren und die dringende Exposéarbeit wurde von den beiden Autoren pünktlich und gut erledigt.

Hans schwärmte gerne von seiner zweiten Heimat Sardinien und empfahl uns, dort unseren nächsten Urlaub zu verbringen. 1977 buchte Hans für uns und unsere Freunde Zimmer in einem Hotel am Strand seiner Lieblingsinsel. 
Er gab uns wertvolle Tipps für die Überfahrt mit der Fähre, die trotz Buchung nicht immer sicher war, wie Hans sagte. Als wir aus dem Schiff kamen, stand Hans mit seinem Fiat 500 schon bereit, um uns zum Hotel zu geleiten. Es dauerte eine Weile, bis unsere Autos entladen waren. Dann konnte es losgehen. „Folgt mir!“ rief Hans, setzte sich in sein Auto und fuhr los.
Er kannte jede Kurve und es war nicht einfach ihm zu folgen. Nach unserem Urlaub wussten wir, warum Hans diese Insel liebte.

Hans und Willi schätzten sich als Autoren und als Freunde. Sie freuten sich auf die Treffen anlässlich der PERRY RHODAN und ATLAN Besprechungen - immer nach dem Motto: Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!
Wie ich später erfuhr, verstanden sich auch Hans und Klaus (Kurt Mahr) sehr gut. Anfang der achtziger Jahre kam Hans mit Freunden nach Florida und wohnte in einem Apartment, nur ein paar Minuten vom Haus der Familie Mahn entfernt.
Später trafen wir uns bei Besuchen in München oder anlässlich eines Cons. Die Freude des Wiedersehens war immer groß.
Es vergingen ein paar Jahre, bevor ich Hans in Garching wieder sah. Er überraschte nicht nur mich damit, dass er inzwischen geheiratet hatte. Es ist schade, dass Hans und seine Frau Gertrud diese gemeinsame Zeit nicht länger genießen durften.

Hans Kneifel mit GMS.

Zur Trauerfeier kamen viele Freunde und Bekannte nach München. Einige seiner Weggefährten erzählten von ihrer jahrelangen Freundschaft mit Hans. Die Trauer über den Verlust des Freundes war zu spüren. Ich bin sicher, dass Hans mit dieser Form des Abschiednehmens zufrieden war.  
Es mag Illusion sein – aber ich fände es schön, wenn sich die alten Freunde irgendwie, irgendwo wieder getroffen hätten. Die Hoffnung auf ein Wiedersehen lässt den Verlust erträglicher werden.

Machs gut, Hans. Vielleicht bis irgendwann.

Inge

Hans Kneifel mit GIsa Schelwokat.