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Über William Voltz
Biografie - Teil 9

Für November 1965 war eine Autorenkonferenz in München anberaumt. Auch diesmal wurden von Herrn Heyne die Damen dazu eingeladen, ihre Männer nach München zu begleiten.

Das Schneechaos des vergangenen Jahres ließ uns zu dem Entschluss kommen, dass es besser sei, mit der Bahn zu fahren.

Wir trafen uns mit Familie Scheer am Frankfurter Hauptbahnhof und fuhren gemeinsam nach München. Im Hotel Eden-Wolff, gegenüber des Münchener Bahnhofs gelegen, waren Zimmer für uns bestellt. Nachdem wir uns angemeldet hatten, wurden wir von einem Angestellten des Hotels nach oben begleitet. Wir hielten im ersten Stock, wo Familie Scheer in einem geräumigen Zimmer mit Bad untergebracht war. Mit seinen nachempfundenen Chippendale Möbeln machte der Raum großen Eindruck.

Wir gingen wieder zum Aufzug und wurden von dem etwas steif wirkenden und nicht sehr freundlichen Herrn zur letzten Etage gefahren. Er ging vor uns her und führte uns durch mehrere Gänge, die immer weniger wie die eines Nobelhotels aussahen. Schließlich hielt er vor einer Tür, öffnete sie und ließ uns mit den Worten „Bitte sehr, das ist ihr Zimmer“ eintreten. Das Zimmer war ein schmaler Schlauch, in dem die Betten hintereinander standen. Gleich neben der Tür gab es ein Waschbecken und unsere Kleidung konnten wir in einem Schrank unterbringen, dessen Tür leicht schief hing und schlecht schloss.

„Ich glaube, hier schläft normalerweise das Zimmermädchen!“, sagte Willi und murmelte noch etwas von „dem feinen Unterschied“.

Als wir uns später mit Scheers trafen und von unserer tollen Suite erzählten, meinte Karl-Herbert großzügig: „Wenn ihr mal baden wollt, könnt ihr gerne zu uns kommen!“ Wir machten von seinem freundlichen Angebot keinen Gebrauch.

Von links: Darlton, Bernhardt, Voltz, Schelwokat und Ewers.

Abends trafen wir uns mit den anwesenden Autoren, sowie Herrn Bernhardt im Restaurant des Hotels. Es wurden erste Gedanken ausgetauscht, die man am nächsten Tag während der eigentlichen Sitzung vorbringen wollte. Je später es wurde, desto weniger dachte man an die Arbeit – jedenfalls nicht ernsthaft.

Am nächsten Morgen trafen sich die Herren pünktlich in der Türkenstraße, dem Sitz des Moewig-Verlags, zur Autorenkonferenz.

Ich verabredete mich mit Heidrun Scheer zu einem Bummel durch München. Die inzwischen eineinhalbjährige Corinna begleitete uns.

Der Tag klang aus mit einem gemütlichen Beisammensein und einem guten Essen, zu dem Familie Heyne die Autoren, sowie G.M. Schelwokat, Herrn Bernhardt und natürlich die dazugehörigen Damen, eingeladen hatte. Wir trafen uns wieder in demselben Restaurant wie im Jahr zuvor – nur diesmal wurde keine Zigeunermusik gespielt. An diesem Abend trafen Willi und ich zum ersten Mal mit Gisa Schelwokat zusammen. Sie wurde uns als gouvernantenhafte, humorlose und nur Traubensaft trinkende Frau geschildert. Mit leichtem Unbehagen nahm ich neben ihr Platz. Sie trank tatsächlich Traubensaft und ihr Verhalten war zurückhaltend; ich fand sie aber sehr nett. Im Laufe der Jahre entwickelte sich zwischen uns eine herzliche Freundschaft, die bis zu Gisas frühem Tod im Februar 1992 andauerte.

Cover – Fünf von der Crest.

Es wurde ein gemütlicher Abend, der sich zu fortgeschrittener Stunde auf angenehme Weise recht lustig entwickelte. Roswitha Heyne, die junge und attraktive Frau des Juniorchefs, trug mit ihrer ungezwungenen Art sehr dazu bei.

Das Jahr 1966 begann mit der Arbeit an den Romanen „Fünf von der CREST“ (Nr.241) und „Das Rätsel der Sumpfplaneten“ (Nr.242).

Die Kommunikation zwischen Kurt Bernhardt und Willi Voltz fand aufgrund unserer immer noch telefonlosen Wohnung in schriftlicher Form statt. Missverständnisse, die am Telefon schnell bereinigt gewesen wären, wurden in Briefen besprochen und geklärt. Wenn es ganz eilig war, wurde ein Telegramm geschickt.     

Der Cheflektor des Moewig Verlags brachte immer wieder sein Interesse daran zum Ausdruck, den „Jungautor“ Voltz ganz unter seine Fittiche zu nehmen. Dreieinhalb Jahre nach Willis Start bei der Perry Rhodan-Serie wusste Kurt Bernhardt dessen gute Mitarbeit und Zuverlässigkeit zu schätzen.

Die Perry Rhodan-Serie war inzwischen so erfolgreich, dass man die Idee, eine 2. Auflage auf den Markt zu bringen, nun realisierte. Das erste Heft erschien im März 1966, zeitgleich mit Willis Band Nr.236, der im Vertrag noch den Titel „Stunde der Flucht“ hatte.

Collage – Im Camp der Gesetzlosen.

Das Ausland war ebenfalls auf die beliebte Serie aufmerksam geworden. Perry Rhodan erschien nun nicht nur in deutschsprachigen Ländern, sondern gleichzeitig in Frankreich und Belgien.

Es war seit einiger Zeit auch eine Perry Rhodan-Leihbuch Ausgabe, die sog. Zimmermann-Bände, auf dem Markt.

Bei diesen Büchern handelte es sich nicht um Überarbeitungen wie bei den späteren Silberbänden.

In der Karl-Herbert Scheer Biografie heißt es zum Thema Silberbände:
Scheer wusste Rat. Bei der Auswahl der aufzunehmenden Hefte konnte Voltz sich an der ersten Buchausgabe von 1962 bis 1965 orientieren, die ihn immerhin bis Heft 149 bringen würde. So ergab es sich, dass die ersten siebzehn Silberbände mit der Zimmermann-Ausgabe der sechziger Jahre weitgehend identisch sind.  

Warum auch immer diese Aussage gemacht wurde – sie ist schlichtweg falsch und entbehrt jeder Grundlage. Wie die Bearbeitung der Silberbände tatsächlich vonstatten ging, wird zu gegebener Zeit geschildert.

Cover – Das rote Universum
Zimmermann-Ausgabe von W. Voltz und K. H. Scheer.

Im Frühjahr planten wir unseren nächsten Urlaub. Willi war urlaubsreif. Ich hatte den Eindruck gewonnen, dass ihm die Doppelbelastung zu schaffen machte. Er klagte oft über Magenprobleme.

Ich bat ihn, zum Arzt zu gehen.

„Wann soll ich das denn machen?“ fragte er mich. „Ich arbeite bis fünf Uhr – das wird zu knapp. Außerdem habe ich keine Lust, mich in das vollbesetzte Wartezimmer zu setzen und mir die Krankengeschichten der anderen Patienten anzuhören.“

Ich schlug ihm vor, dass ich mich am Nachmittag für ihn ins Wartezimmer setze, sodass er nach seinem Eintreffen in der Praxis keine lange Wartezeit mehr haben würde. Nun hatte er keine Ausrede mehr.

Als Willi in der Praxis ankam, war er fast an der Reihe – und ich war bestens informiert über alle Krankheiten und den neuesten Klatsch.

Die Diagnose des Arztes lautete: Magenschleimhaut-Entzündung. „Arbeiten Sie zuviel oder haben Sie Kummer?“, fragte er. Willi verneinte. Der Arzt verschrieb ihm ein Pulver, das er immer nehmen sollte, wenn er Beschwerden bekam. Es half.

Bis zu unserem Start in den Urlaub in der zweiten Maihälfte schrieb Willi noch die Romane:
Nr. 251 „Die Armee der Biospalter“
Nr. 252 „Die Welt der Regenerierten“
Nr. 257 „Der Dreitöter“
Nr. 262 „Der Meisterspion“, sowie
Nr. 263 „Sieben Stunden Angst“
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Außerdem erhielt Willi noch einen Vertrag für den Roman „Das Schiff des Mutanten“, der in der Terra-Normalreihe erscheinen sollte.

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