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Über William Voltz
Biografie - Teil 5

Im März 1964 war es soweit – wir bezogen endlich unsere eigene Wohnung. Damals ahnten wir noch nicht, dass diese zweieinhalb Jahre, die wir in Hainstadt lebten, eine gute Story für das Buch „Geschichten, die das Leben schrieb“ werden würden.

Wir legten sie unter „Erfahrungen“ ab.

Die Wohnung lag im ersten Stock eines Zweifamilien-Hauses und hatte drei Zimmer. Neben Küche und Bad war die Tür zum Wohnzimmer in dem eine große Schiebetür war, durch die man ins Schlafzimmer kam. Auf der rechten Seite des quadratischen Flurs lag das so genannte Kinderzimmer. In unserer jugendlichen Unbekümmertheit ließen wir uns darauf ein, dass wir nur zwei Zimmer mieteten. Das dritte Zimmer sollte der Mutter des Hausbesitzers als Schlafzimmer dienen. Im Parterre war das Kinderzimmer zu einem kleinen „Tante Emma Laden“ umfunktioniert worden, den die Mutter betrieb. Außerdem musste sie noch das Enkelkind hüten, da die jungen Leute in Frankfurt arbeiteten.

„Sie kommt nur zum Schlafen hoch und wird sie ganz bestimmt nicht stören!“, meinte der Vermieter damals. Wir hätten es besser wissen sollen.

Neben diesem Problem gab es noch ein weiteres – wir hatten kein Telefon!

Das Wohngebiet war etwa drei Jahre zuvor errichtet worden; der Post war es jedoch noch nicht gelungen, die nötigen Leitungen für Telefonanschlüsse zu legen. Es sollte auch noch keine geben, als wir zweieinhalb Jahre später wieder auszogen. Das nächste Telefonhäuschen war am anderen Ende des Ortes und entweder mit dem Auto oder einem zwanzigminütigen Marsch zu erreichen. Das bedeutete, dass wir weiterhin Markstücke sammeln mussten, damit Willi regelmäßig G.M.Schelwokat anrufen konnte.  

Der Mietpreis für unser kleines Reich betrug DM 150.--. Willi war, was die Finanzen betraf, sehr von seinem konservativen Vater geprägt.

„Eine Monatsmiete sollte einen Wochenlohn nicht überschreiten“, war der Rat des Vaters. Willi war damals noch Arbeiter und rechnete sein Einkommen, das er durch seine Mitarbeit an der Perry Rhodan Serie erwarb, nicht mit.

Am Tag unseres Umzugs fuhr ich mit dem Bus von Offenbach nach Hainstadt, um unser neues Domizil zu putzen und für den Einzug vorzubereiten. Willis Freund Günter half dabei, unsere Habseligkeiten in einen kleinen Transporter zu packen. Der Scheersche Küchenschrank war das größte Möbelstück. Die anderen Möbel waren neu und wurden geliefert.

Kleinigkeiten befanden sich bereits in der Wohnung, so z.B. eine Kiste mit Büchern. Ich fand darin den Roman „1984“ von George Orwell (fünfte Auflage 1956). Nachdem die Arbeit getan war, setzte ich mich auf den Fußboden und begann zu lesen. Als es langsam dunkel wurde, musste ich das Buch wieder weglegen, weil es noch kein Licht in der Wohnung gab.

Endlich kamen die beiden Freunde, schlossen die Lampen an und begannen mit der Einrichtung unserer neuen Räume.

In eine Ecke des Schlafzimmers stellte Willi einen kleinen Tisch und darauf die Schreibmaschine. Die Prozedur blieb dieselbe wie zuvor. Wenn Willi abends von der Arbeit nach Hause kam, setzte er sich an die Schreibmaschine, um an dem gerade fälligen Manuskript weiter zu arbeiten.

Der erste Verlagsvertrag, der am 1.4.1964 an unsere neue Adresse geschickt wurde, war für den Band Nr. 153, der den Titel „Eine Handvoll Leben“ trug.

Es war der fünfzehnte Roman, den William Voltz seit seinem Einstieg 1962 für die Perry Rhodan Serie geschrieben hatte.                   

Bereits am 16.4.1964 kam der nächste Vertrag für den Band Nr.154 mit dem Titel „Der Gehetzte von Aralon“. Es sollten in diesem Jahr noch sieben weitere Perry Rhodan-Romane folgen.

Kurt Bernhardt vom Moewig-Verlag und auch der für seine gnadenlose Kritik bekannte Günter M. Schelwokat waren von der Arbeit, die der junge Autor ablieferte, angetan. Im Juli 1963, nur einige Monate nach erscheinen seines ersten Perry Rhodan-Romans, schrieb Bernhardt u.a. an Willi:

Herr Schelwokat ist mit Ihrem Schreiben bisher außerordentlich zufrieden; er schätzt die gepflegte Stilistik Ihrer Romane. Ich freue mich, daß wir in Ihnen einen guten und dauernden Mitarbeiter für die Perry Rhodan-Serie gewonnen haben, und hoffe, daß sich unsere Zusammenarbeit auch auf anderen Gebieten entwickeln wird. 

Die Zusammenarbeit entwickelte sich tatsächlich gut. Willis Romane kamen bei den Lesern und beim Verlag sehr gut an. Seine Phantasie war unerschöpflich und sein Arbeitseifer nicht zu bremsen.

Cover – Die Tote Stadt.

Das Interesse an Veröffentlichungen außerhalb der Perry Rhodan-Serie wuchs: 

Am 25.Juli 1963 schickte Kurt Bernhardt den ersten Verlagsvertrag für eine Story-Sammlung, die innerhalb der TERRA-Normalbände erscheinen sollte.

Es folgten im Jahr 1964 für diese Reihe der Roman „Die tote Stadt“, der Storyband „Der Doppelgänger“, sowie die „Robot-Legende“.

Am 25.September 1964 unterschrieb William Voltz einen Autorisationsvertrag. Darin heißt es: Der Lizenznehmer erwirbt vom Lizenzgeber das Recht, von dem Werk Perry Rhodan: William Voltz, „VERLOREN AUF TRINJR“, eine deutschsprachige Taschenbuchausgabe zu veranstalten. Im Impressum der Taschenbuchausgabe wird folgender Hinweis auf die Originalausgabe gebracht: Copyright © 1964 by William Voltz.               

Es entzieht sich meiner Kenntnis und ist für mich nicht mehr nachvollziehbar, um welches Taschenbuch es sich dabei handelte.

Der erste Verlagsvertrag für ein von William Voltz geschriebenes Perry Rhodan-Taschenbuch wurde am 2.2.1965 ausgestellt. Es hatte den Titel: „INVASION DER PUPPEN“ und erschien als TB Nr. 9

Cover – Invasion der Puppen.

Die Zusammenkünfte mit KHS fanden inzwischen fast regelmäßig statt. Karl Herbert und Heidrun Scheer kamen entweder nach Hainstadt, oder wir fuhren nach Friedrichsdorf. Die Treffen begannen gelegentlich mit einem gemütlichen Abendessen. Das Thema „Perry Rhodan“ stand an erster Stelle, und es fand immer ein eifriger Meinungsaustausch über die Weiterführung der Serie statt.

An einem solchen Abend bei uns klopfte es an der Tür. Unsere Nachbarin stand im Nachthemd und mit einem Wecker in der Hand vor Willi und fragte ihn: „Herr Voltz, könnde Se mer mal sache wie spät´s is? Ich muss mein Wecker stelle!“ Dabei reckte und streckte sich die kleine Person vor Willi, um zu sehen, wer bei uns zu Besuch war.

Es sollte nicht der einzige Auftritt dieser Art bleiben.

Nachdem wir uns eingerichtet und eingelebt hatten, nahmen wir Kontakt zum evangelischen Pfarrer auf. Schließlich waren wir in den Augen meiner christlichen Großmutter noch nicht „richtig“ verheiratet. Einer katholischen Trauung hätte sie noch lieber zugestimmt, aber dazu konnte ich Willi nicht überreden.

Der Pfarrer kam zu uns nach Hause und wir besprachen alles Notwendige.

Bevor wir den Termin wahrnehmen konnten, kam ich im Juni 1964 wieder ins Krankenhaus. Diesmal für sechs Wochen. Wir verschoben die Trauung auf September. Auch daraus wurde nichts, weil ich ein weiteres Mal ins Krankenhaus musste.

Danach gaben wir auf. „Es soll wohl nicht sein“, meinten wir beide und blieben somit nur standesamtlich getraut und ohne den Segen der Kirche.

Das erste Jahr unserer Ehe hatten wir uns etwas anders vorgestellt. Aufgrund meiner gesundheitlichen Probleme mussten wir die für den Sommer geplante Hochzeitsreise auf das nächste Jahr verschieben. Wir waren trotzdem glücklich und zufrieden.

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