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Über William Voltz
Biografie - Teil 4

Im Jahr 1963 schrieb Kurt Bernhardt an Willi:
Auch ich freue mich, daß Sie sich im Laufe der Zeit ausgezeichnet in das PERRY RHODAN-Team eingefügt haben und daß Sie heute schon mit zu den Spitzenautoren gehören…

Brief von Walter Ernsting
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Man erinnerte sich aber auch an Willis Kurzgeschichten. Mit der  Nummer 316 erschien in der TERRA-Reihe des Moewig Verlags der Band "QUARANTÄNE und andere Stories."

Am 2.12.1963 schrieb Walter Ernsting an Willi (siehe Bild, rechts.)

Unter dem Titel GRATULATION verfasste Walter Ernsting eine durchweg positive Kritik zu diesem TERRA-Kleinband, der die Stories Heimkehr bei Nacht, Ernesto, der Ballspieler, Quarantäne, Vorurteile und Der Preis enthielt.

W.E. beendete seinen Bericht über Willis Debüt in der TERRA-Reihe mit den Worten:
Lesen Sie selbst diese fünf SF-Stories von W. Voltz, dann werden Sie begreifen, warum ich so rückhaltlos begeistert bin.
Die Sammlung QUARANTÄNE wäre eines Heyne-Taschenbuches würdig gewesen, denn sie gefällt mir wesentlich besser als der Großteil der dort erscheinenden Kurzgeschichten. Auf der anderen Seite hat TERRA-Kleinband Nr. 316 bewiesen, wie unsagbar dumm jemand ist, der Hefte pauschal als Schund bezeichnet. Wer einen Menschen nach seinem Anzug allein beurteilt, ist auch dumm. – Nochmals, WiVo, meine Gratulation. Mit diesen fünf Stories hast Du die Spitze erreicht und sogar Franke übertroffen.  

Da Willi inzwischen motorisiert war, konnten wir gelegentlich einen Trip zu Heidrun und Karl-Herbert Scheer machen. KHS nahm damals noch an, dass Willi handwerklich begabt sei und bat ihn, eine Rohrzange mitzubringen, weil  in seinem Bad ein Wasserhahn tropfte. Der immer hilfsbereite Willi ließ sich von seinem Vater die benötigte Zange geben und nahm sie mit nach Friedrichsdorf, um das Problem zu beheben. Weder Willi noch Karl-Herbert waren in der Lage, das Tropfen des Wasserhahns zu beenden. Es gab zwar, wie an anderer Stelle berichtet, keine Überschwemmung im Hause Scheer, aber für die Beseitigung des Problems musste ein Fachmann gerufen werden.

Clubtreffen in Bad Homburg.

In anderer Hinsicht erkannte KHS jedoch bald Willis Fähigkeiten. Es ergab sich, dass bei allen Treffen über die Fortführung der Perry Rhodan- Serie gesprochen wurde. Willi war nicht der Autor, der nur aufs nächste Exposé wartete. Obwohl es nicht seine Aufgabe war, machte er sich Gedanken über die zukünftige Handlung, über Personen, Figuren etc. Willis Integration in die Serie hatte stattgefunden und er fühlte sich von Anfang an mitverantwortlich. Der Exposé-Redakteur nahm die Unterstützung gerne an und bat Willi schon bald, seine Ideen niederzuschreiben und ihm zu senden oder beim nächsten Treffen mitzubringen.

So kam es, dass Willis Ideen, seine Phantasie, schon sehr früh die Perry Rhodan-Serie mitprägten – lange bevor seine Mitarbeit an den Exposés offiziell begann.  

Es war Ende 1963, an einem  kalten Wintertag, als mich Willi nach Nieder-Eschbach fuhr.  Als er sich auf den Rückweg nach Offenbach machte, lag eine dicke Eisschicht auf den Straßen. Willi sah darin kein Problem. Er meinte nur: „Ich fahre vorsichtig!“
Zwischen Nieder-Erlenbach und Bad-Vilbel kam der Opel ins Rutschen, überflog einen Graben und landete im Acker. Willis geliebter alter Opel saß fest. Was tun – mitten in der Nacht? Er stieg aus und machte sich auf den Weg nach Bad-Vilbel, in der Hoffnung, ein Hotel zu finden.  Nach einem längeren Fußmarsch kam er in Bad-Vilbel an und fand auch ein kleines Hotel. Die Tür war verschlossen und Willi musste klingeln. Eine Frau öffnete die Tür und musterte ihn misstrauisch. Willi hinterließ keinen Vertrauen erweckenden Eindruck. Wer versucht schon mitten in der Nacht, mit schmutziger Kleidung, zu Fuß und völlig übermüdet, in Bad-Vilbel ein Hotelzimmer zu bekommen?  Er schilderte seine Situation und bekam ein Zimmer für diese Nacht. Am nächsten Morgen bestellte sich Willi  ein Taxi, das ihn an den Ort des Geschehens zurückbrachte. Die Polizei war bereits da und suchte nach dem Verletzten.
Willi erklärte, dass er der Besitzer des Wagens sei und erzählte von seinem Missgeschick. Der Blick des Polizisten wanderte von Willis müdem Gesicht hinunter zu seinen verschmutzten Schuhen und der Mann meinte nur: „Na ja, jetzt müssen wir eine Lösung finden, wie wir ihr Auto aus diesem Acker herausholen können. Fahren können Sie damit bestimmt nicht mehr.“
Sie schafften es mit Hilfe eines Traktors, den ein Bauer zur Verfügung gestellt hatte.
Als Willi mich später anrief, um mir von seinem Missgeschick zu erzählen, sagte er: „ Mein Opel wurde aus einem Acker gezogen – er schüttelte sich kurz und brachte mich dann sicher nach Hause.“ 

Heute, mehr als vierzig Jahre später und im Handy-Zeitalter, kann man über eine solche Situation wahrscheinlich nur noch schmunzeln.
Wir hatten für lange Zeit etwas zu erzählen, worüber jeder lachen konnte. Es war ja schließlich alles gut gegangen.

Willis Vater und Stiefmutter.

Am 5.Februar 1964 heirateten wir. Ich kam ein paar Tage vor diesem Termin aus dem Krankenhaus, und wir verzichteten auf eine größere Zeremonie. Eine kirchliche Heirat sollte nachgeholt werden, wenn es mir besser ginge. Wir trafen uns in der Wohnung meiner zukünftigen Schwiegereltern, die inzwischen in die Hospitalstrasse umgezogen waren und nur zwei Fußminuten vom Standesamt entfernt wohnten. K.H. und Heidrun Scheer trafen ein und überreichten uns ein Stövchen als Geschenk.
„Von einem armen Häuslebauer“, meinte KHS, der unser Trauzeuge war. Wir freuten uns und waren dankbar.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen in einem Offenbacher Restaurant gab es noch einen kleinen Sektempfang in der Wohnung meiner Schwiegereltern. Danach fuhren Willi und ich als Frisch-Vermählte zu meiner Mutter nach Nieder-Eschbach. Meine Großmutter war erkrankt und wohnte inzwischen bei meiner Mutter. Die große Wohnung in der Bleichstrasse musste aufgegeben werden. Im kleinen Familienkreis aßen wir den guten Kuchen, den meine Mutter für uns gebacken hatte.

Für den Abend luden uns Scheers noch nach Friedrichsdorf ein. „Kommt doch nach dem Abendessen noch zu uns!“ meinte KHS bei der Verabschiedung in Offenbach.
Somit endete der Tag im Hause Scheer und mit der Fernseh-Sendung „Mainz  - wie es singt und lacht“. 

Nach dem Besuch bei Familie Scheer brachte mich Willi zu meiner Mutter – er fuhr nach Offenbach in sein kleines Zimmer. Das war unser Start in die Ehe.

Der Umzug in unsere eigene Wohnung zog sich noch bis Mitte März hin. Willi schlief und arbeitete weiterhin in seinem winzigen Zimmer in der Bleichstrasse. Die Firma Sebold, für die mein Schwiegervater nach wie vor arbeitete, expandierte und plante einen Umzug. Herr Sebold gestattete uns die Benutzung der leer stehenden Wohnung, bis wir unser eigenes Zuhause beziehen konnten. Ich packte meine Sachen und zog zu Willi.
Durch seine Mitarbeit an der Perry Rhodan-Serie  hatte Willi Ersparnisse, die es uns ermöglichten, einen kleinen Haushalt zu gründen. Unser erstes Möbelstück war ein zweiteiliger Küchenschrank, den uns Scheers anboten, weil sie nun im neuen Haus, das Ende 1963 bezogen wurde, eine moderne Einbauküche hatten.
Die Abholung des Schranks verlief abenteuerlich. Zwei Fahrten mit Willis Cabriolet waren nötig, um das gute Stück von Friedrichsdorf nach Offenbach zu transportieren. Das Thermometer zeigte fast zehn Grad minus und Willi war gekleidet wie ein Polarforscher. Außerdem musste er darauf achten, dass ihm die Teile nicht aus dem Auto fielen. Als er mit Eiszapfen an der Nase nach Hause kam, wärmte ich ihn u. a. mit heißem Tee. Er meinte, dass ihm manch verwunderter Blick gefolgt sei. Nachdem der Schrank nun aufgebaut vor uns stand, fanden wir beide, dass wir für 450.-- DM auch etwas Neues hätten kaufen können. Zweieinhalb Jahre später  verschenkten wir den Küchenschrank.

Die Übergangsphase und die damit verbundenen Umstände störten uns nicht. Wir waren jung, unkompliziert, und wir freuten uns auf unsere erste gemeinsame Wohnung, die wir in Hainstadt, im Landkreis Offenbach, gefunden hatten und bald beziehen durften.

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