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Über William Voltz
Biografie - Teil 39

Der erste PERRY RHODAN Weltcon hatte bei allen Beteiligten, bei Autoren und Verlagsmitgliedern und, was sehr wichtig war, bei den Fans eine positive Stimmung hinterlassen. Die monatelangen Planungen, die ausgiebigen Vorbereitungen, der manchmal an den Nerven zehrende Stress, hatten sich zu einem Wohlgefühl entwickelt. Die Vorstellungen und Wünsche, die man mit dieser lange geplanten Veranstaltung in Verbindung gebracht hatte, waren zufriedenstellend erfüllt worden. Autoren und Leser waren sich näher gekommen und sahen motiviert in die Zukunft.

Aber auch andere, bisher nicht unbedingt begeisterte PERRY RHODAN-Leser, waren auf die Serie und ihre Anhänger aufmerksam geworden.
Die Neuphilologische Fakultät der Universität Tübingen hat eine sehr interessante Untersuchung der Science-Fiction-Leser am Beispiel der Teilnehmer des 1. Perry-Rhodan-Weltkongresses durchgeführt. Eine mit dem Forschungsleiter abgestimmte Zusammenfassung der Untersuchung möchten wir Ihnen heute übermitteln, da bisher das Verhalten der Käufer und Leser von Science Fiction-Romanen noch nicht erforscht worden ist.
Mit diesen Worten schrieb die Abteilung Information des Pabel-Verlags mehrere namhafte Tageszeitungen an und bat um Veröffentlichung dieser Befragung.
Mit Überschriften wie

Viel besser als ihr Ruf… Universität Tübingen revidiert Urteil über Perry Rhodan-Fans
Kein Wilder Westen im Weltall – Die Leser von Science-Fiction-Literatur und ihre Vorlieben
Heim zu den Sternen… Eine Lanze für die Leser der Science-Fiction-Hefte

wurde über die PERRY RHODAN-Serie und die Untersuchung berichtet.

Hier die Zusammenfassung

Die PERRY RHODAN-Serie war in die Bände 1000 plus gestartet und, nach dem großen Erfolg in Mannheim, zweifelte niemand daran, dass auch die Nummer 2000 erreicht werden konnte. Die jeweils im Februar, Juni und September erscheinenden Silberbände erfreuten sich immer größerer Beliebtheit, sehr zur Freude des Verlags und der Autoren. Am 15.September 1980 war das Buch Nr.7 mit dem Titel „ATLAN“ erschienen. Mit dem Titel „FESTUNG ATLANTIS“ kam Buch Nr.8 am 15. Februar 1981 auf den Markt.

Während die Autoren, Verlagsmitglieder und viele Fans in Mannheim den PERRY RHODAN Con genießen konnten, musste es im Verlag mit der Arbeit weitergehen. Kurt Bernhardt, der Cheflektor in München, schrieb am 3. November 1980 an Willi Voltz:

Brief von Kurt Bernhardt

Zur gleichen Zeit erhielt auch Frau Ehrig (Marianne Sydow) einen Brief von Kurt Bernhardt, dem die Weiterführung der ATLAN-Serie nach Band Nr.500 sehr am Herzen lag. Er teilte der Autorin mit: … dass Herr Voltz von mir den Auftrag erhalten hat, die ersten zehn Exposés zu schreiben und dass dann erst in einem Gespräch mit Ihnen die weitere Exposé-Arbeit an der neuen Serienfolge besprochen wird.
Es war geplant, Frau Ehrig zu einem späteren Zeitpunkt als Exposé-Autorin einzusetzen.
Das Jahr 1981 hatte begonnen. Willi startete es mit Elan und vielen Ideen. Am 28. Januar feierte er seinen dreiundvierzigsten Geburtstag. Zu diesem Anlass bekam der beliebte und angesehene Autor von der Verlagsleitung einen sehr freundlichen Kartengruß sowie guten Badischen Wein geschickt.

Eine von Willis Ideen fürs neue Jahr war, Kurzgeschichten passend zu Zeichnungen zu schreiben, die von dem Künstler Alfred Kelsner stammten. Auf Herrn Kelsner wurde Willi durch einen Leserbrief aufmerksam, den der Verlag an ihn zur Beantwortung weitergeleitet hatte.
Das Ergebnis dieser Idee bekam den Titel „ZEITSPLITTER“ und stand nun, Anfang 1981, kurz vor der Fertigstellung. Am 10.02. schrieb Willi an die Abteilung Herstellung des Moewig-Verlags in Rastatt.
Brief zu Zeitsplitter

Was den Autor zu diesem Projekt veranlasst hatte, schilderte er in einem kurzen Bericht, der dem Buch beigefügt war.

Kurt Bernhardt und Frau.

Der Terminkalender fürs Jahr 1981 füllte sich und wir freuten uns auf alles, was auf uns zukommen sollte.
Anfang März fing sich Willi eine Erkältung ein. Mit den üblichen Hausmittelchen versuchten wir, ihm Besserung zu verschaffen. Nach ein paar Wochen meinte er: „Diese Erkältung ist ganz schön hartnäckig!“ Es gab von da an gute und weniger gute Tage; aber man dachte nicht an Schlimmeres. Der Alltag ging weiter.
Inzwischen war die offizielle Einladung von Kurt Bernhardt, dem Cheflektor des Pabel-Moewig Verlags und „Erfinder“ der PERRRY RHODAN Serie, eingegangen. Kurt Bernhardt wollte seinen 65sten Geburtstag und gleichzeitig seine Verabschiedung ins Rentendasein mit allen Mitarbeitern und Autoren feiern, die ihm am Herzen lagen.

Gisa Schelwokat, Hans Kneifel.

Die Gäste wurden im Holiday Inn Olympic untergebracht. Die Feier fand am 4. Juni in einem bekannten Münchener Brauhaus statt. Wir freuten uns auf dieses Ereignis, das zu einem echten Highlight wurde.
Hier Fotos: #1 Kurt Bernhardt und Frau #2 Gisa Schelwokat und Hans Kneifel #3 die Mitarbeiterin der Perry Rhodan-Redaktion München, Christa Schurm, sowie Autoren Ernst Vlcek und William Voltz, #4 Kurt Bernhardt, der Geschäftsführer in Rastatt Winfried Blach, William Voltz.

Noch im selben Monat stand uns ein Besuch der Stadt Berlin bevor. Zwei Jugendmannschaften der Rosenhöhe Offenbach waren eingeladen zu einem Turnier in Berlin, Stadtteil Kreuzberg. Willi war der Trainer und Betreuer der einen Mannschaft und ich freute mich, dass ich mitfahren durfte. Es war mein erster Berlinaufenthalt. Willi hatte mich gebeten, während der langen Bahnfahrt auch ein wenig auf die Buben zu achten. „Kein Problem“, versprach ich ihm.

Krista Schurm, Ernst Vlcek, Willi.

Damals gab es noch das geteilte Deutschland. Nach dem Überfahren der Grenze konnten wir schnell einen Unterschied in der Qualität der Schienen feststellen. „Ganz schön holprig“, meinte Willi. Die Buben schien dies nicht zu stören. Sie beschäftigten sich mit Kartenspielen, Erzählen und Sonstigem – alle waren ruhig und zufrieden. In Erfurt hatten wir einen relativ langen Aufenthalt, den wir uns nicht erklären konnten und auch von niemandem erklärt bekamen. Nach einiger Zeit öffnete ich das Fenster, was man bei den alten Zügen noch tun konnte. Frische Luft kann nichts schaden, dachte ich. Plötzlich sah ich aus dem Fenster des nächsten Abteils, in dem die andere Jugendmannschaft saß, Cola-Dosen fliegen. Ich riet meinem Mann, in das andere Abteil zu gehen und mit dem zuständigen Betreuer zu sprechen. Seine erste Reaktion war: „Die sind doch alt genug! Was soll ich da tun?“ Ich überredete ihn, doch zu gehen. Mein Gefühl sagte mir, dass es Probleme geben könnte. „Also gut“, sagte Willi, „ich gehe. Ist vielleicht besser!“

Willi, Winfried Blach und Kurt Bernhardt.

In diesem Moment wurde von der anderen Seite unseres Abteils die Tür energisch aufgeschoben und zwei Beamte der Transportpolizei Erfurt beschritten das Abteil.
„Wer ist hier verantwortlich für die Jugendlichen?“ fragte einer der beiden Beamten. Obwohl er nicht der Verantwortliche für diese Gruppe war, hielt es Willi für besser, die Verantwortung zu übernehmen. Nach einer strengen Belehrung wurde Willi aufgefordert, 50.-- DM (West) zu zahlen. Er erklärte sich sofort dazu bereit und entschuldigte sich für das schlechte Benehmen der Jungen. Die 50.-- DM wurden entgegengenommen und man übergab ihm die Ordnungsstrafverfügung.
Als die Beamten den Zug verlassen hatten, war ich sehr erleichtert. „Ich dachte schon, die nehmen dich mit!“ äußerte ich meine Bedenken. „Deshalb habe ich auch gleich bereitwillig gezahlt!“ sagte Willi. Ich bin heute noch davon überzeugt, dass es eine gute Entscheidung war.
Anschließend ging Willi ins Nebenabteil und bat Spieler und Trainer sehr deutlich, sich in unserem Nachbarland besser zu verhalten. „Die nächste Strafe bezahlt ihr!“ drohte er. Es flogen keine Dosen mehr!
Untergebracht waren wir im Hotel Europa, gegenüber des Luftbrückendenkmals am alten Flughafen und wir hatten eine gute Zeit.

Willi hatte immer noch Probleme mit seiner Bronchitis. Ich bat ihn, doch endlich mal zum Arzt zu gehen. Sein Husten wurde nicht besser. Im Gegenteil! In den Sommerferien wollten wir noch einmal nach Dänemark fahren und hatten auch bereits für vier Wochen gebucht.
„Ich sage ab. Geh‘ endlich zum Arzt“, riet ich meinem Mann. „Nein. Der Urlaub wird mir guttun“, war seine Reaktion. Vielleicht ist es wirklich so, hoffte ich. Und wir fuhren. Nach etwa einer Woche sagte mir Willi, dass, wenn es ihm nicht bald besser gehen würde, er den Urlaub abbrechen müsse. Wir standen den Urlaub durch, der Willi dann doch tatsächlich zu helfen schien.
Zu Hause angekommen, begab er sich wieder an die Arbeit. Ich spürte, dass ihm irgendetwas durch den Kopf ging. War es seine Gesundheit? Ich wollte ihn nicht zu sehr bedrängen und wartete, dass er die Entscheidung traf, endlich zum Arzt zu gehen. Eines Abends sagte er spontan: Was meinst du zu der Idee, dass ich den Herbert frage, ob er wieder bei Perry Rhodan einsteigen möchte? Ich war etwas überrascht, weil ich ganz andere Gedanken hatte. Aber ich wusste nun, was meinem Mann die ganze Zeit durch den Kopf gegangen war. Er machte sich Gedanken darüber, dass Karl Herbert Scheer, dessen letzter Perry Rhodan Band Nr. 500 war, später kaum Nachdruckhonorar bekommen würde. „Wovon soll er mal leben, wenn nichts mehr nachkommt?“ waren Willis Bedenken. Er sprach mit K.H. Scheer, der nicht abgeneigt war wieder einzusteigen und setzte sich danach mit dem Verlag in Verbindung. Die größte Skepsis des Verlags war die Einhaltung der Termine. William Voltz übernahm die Verantwortung und versicherte, dass er bei Nichteinhaltung des Termins die Niederschrift des Romans besorgt. Auch über die Grundthemen und die Einstellung zur Serie wurde gesprochen. Mit Band Nr.1074 stieg K.H. Scheer, zumindest für kurze Zeit, wieder in die Serie ein.

Schulfest Niedernhausen.

Willi wurde zusehends hinfälliger und sein Husten unangenehmer. Es hielt ihn nicht davon ab, trotzdem samstags in der Mannschaft der „Alten Herren“ Fußball zu spielen. Es war ein schöner Augusttag und die Frauen der Spieler und viele der Kinder waren auch auf dem Platz. Die Spielerfrauen wussten, dass die Männer gerne anschließend noch an der Theke ihr Bier trinken und ein bisschen diskutieren wollten und suchten sich in unserem Vereinslokal inzwischen einen Tisch. Ich wartete draußen auf Willi. Er kam aus der Kabine und hielt kurz darauf an einem Geländer an, um sich auszuruhen. Ich ging zu ihm. Er fühlte sich nicht gut. „Wir können entweder heute Abend zu Riebows gehen, oder morgen mit den Kindern zum Schulfest! Beides schaffe ich nicht“, sagte er. „Lass‘ uns heimfahren. Ich rufe die Kinder!“ antwortete ich.
Zu Hause angekommen, sagte ich die Einladung zur Geburtstagsfeier unserer Freundin Gerda ab. Es war uns wichtiger, am nächsten Tag mit den Kindern an deren Schulfest teilzunehmen.

Endlich hatte ich meinen Mann dazu überreden können, einen Arzt aufzusuchen. Er wurde befragt und untersucht. Außerdem wurde Blut entnommen. Nach einigen Tagen ging Willi wieder zum Arzt und wurde empfangen mit der „freudigen“ Nachricht: „Sie sind kerngesund. Ich weiß gar nicht, was sie hier wollen.“
Auf Willis Frage, warum es ihm nicht gut gehe, konnte der Arzt keine Antwort geben. Er machte den Vorschlag, die Lunge zu röntgen. An dem Tag, als Willi diesen Termin hatte, stand ich auf der Leiter, um die Hecke zu schneiden. Unser Nachbar gab mir seine elektrische Heckenschere, weil es damit einfacher und schneller gehen würde als mit meiner Schere. „Aber passen sie auf. Wenn sie ausschalten, dauert es einen Moment, bis die Schere abschaltet.“ Dem Kabel konnte man ansehen, dass dieser Rat schon mehrmals nicht befolgt wurde. Ich hatte meine Arbeit fast beendet und das Kabel war noch in Ordnung, als das Telefon klingelte. Das muss Willi sein, war mein erster Gedanke. Ich stellte die Schere ab – und wartete nicht lange genug. Das Kabel war angeschnitten. Es war mir egal und ich eilte zum Telefon.
„Ich bin’s“, hörte ich Willi sagen. Er schien erleichtert zu sein. „Ich habe eine übergangene Lungenentzündung und muss Antibiotika nehmen. Nach drei Wochen soll ich mich wieder melden.“
Fürs Erste waren wir beruhigt

 Teil 38