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Über William Voltz
Biografie - Teil 38

­­­Nach einem guten Frühstück im Hotel machten wir uns auf den Weg zum Rosengarten. Es war nur ein kurzer Fußweg und wir konnten schon erkennen, dass der Andrang groß war. Auch im Foyer herrschte bereits viel Betrieb. Uns begegneten  junge und auch nicht mehr ganz junge PERRY RHODAN Fans, die sich interessiert in den Räumlichkeiten umsahen und Ausschau nach „ihren“ Autoren hielten. Nach und nach sammelten sich die Autoren und Verlagsangehörigen, um ihre Plätze unmittelbar vor der Bühne einzunehmen. Man konnte die freudige Erregung, aber auch die Anspannung spüren. „Hoffentlich geht alles gut!“ war der häufigste Wunsch, der an diesem Vormittag geäußert wurde.

Willi auf dem Weg zum Mikrofon.
© Gerhard Franz

Nachdem Walter A. Fuchs, damals Mitarbeiter in der Redaktion, mit einer kurzen Ansprache den ersten PERRY RHODAN - Weltcon eröffnet hatte, kam, als der ältere der beiden Autoren der ersten Stunde, Clark Darlton auf die Bühne. In seiner lockeren, unkomplizierten Art, hatte er die Gäste schnell auf seiner Seite und allen Beteiligten etwas den Druck von der Seele genommen.
Nur Karl-Herbert Scheer war nicht so glücklich: „Jetzt hat er genau all das erzählt, worüber ich sprechen wollte. Ich weiß gar nicht, was ich jetzt sagen soll!“ sagte er zu mir. „Dir wird schon noch genug einfallen, Herbert. Du machst das schon!“ beruhigte ich ihn. Da beide über das selbe Thema zu sprechen hatten, waren Wiederholungen nicht komplett zu vermeiden. Aber auch Herbert meisterte seinen Auftritt auf seine Art und ohne Probleme.

Danach war Willi an der Reihe. Ich hatte kaum eine Ahnung, was er den Fans erzählen würde. Ich wusste nur, dass er über die Zukunft der Serie sprechen sollte, ohne dabei zu viel zu verraten. Als Willi die Besucher mit „Terraner“ begrüßte, war der Beifall groß. Band 1000, der mit dem Titel DER TERRANER gerade erst erschienen war, hatte die meisten Leser begeistert. Ein leichtes Lampenfieber glaubte ich in der Stimme meines Mannes zu erkennen.  Man spricht schließlich nicht jeden Tag vor so vielen Menschen.

Nach der Eröffnungszeremonie lief das Programm weiter und die Autoren, Zeichner und Gäste waren pausenlos auf angenehme Weise gefordert. Besonders die vielen jungen Leser freuten sich darüber, dass sie ihre Autoren so hautnah erleben durften.

Aufmerksame Zuhörer.
© Gerhard Franz

Für 14:00 Uhr war eine Podiumsdiskussion vorgesehen.

Für die Ehefrauen der Autoren gab es ein Damenprogramm, das die Frau des damaligen Geschäftsleiters sehr liebevoll und gekonnt organisiert hatte. Wir wurden mit dem Bus in ein rustikales, gemütliches Lokal gefahren, nahmen an einer Weinprobe teil und wurden anschließend mit einem ausgezeichneten Menu verwöhnt, das mit dem jeweils passenden Wein zu den verschiedenen Gängen gekrönt wurde.

Danach ging es zurück zum Rosengarten in Mannheim. Unsere Männer hatten die Diskussionsrunde beendet. Sie gaben den Fans bereitwillig Autogramme und beantworteten viele Fragen. Als sich der erste Con-Tag dem Ende neigte, sah man den Autoren an, dass sie sich nach einem kühlen Bier an der Hotelbar sehnten und auch der Hunger sich meldete. Irgendwann glaubte ich, meinem Mann im Kreise seiner Kollegen noch ein Stündchen gönnen zu müssen und verabschiedete mich.

Podiumsdiskussion.

Ich lag bereits im Bett als Willi anrief. „Wo bist du? Was machst du? Warum bist du nicht hier?“ fragte er. Offensichtlich unzufrieden damit, dass ich mich zurückgezogen hatte.
Ich erklärte ihm, dass ich bereits im Bett liege und lese und eigentlich auch einen gemütlichen Abschluss des Tages für die Autoren und die fleißigen Helfer nicht stören wollte. „Versteh’ ich nicht. Komm einfach noch mal runter in die Bar“, sagte er und legte auf.

Eine halbe Stunde später rief Walter A. Fuchs an und versuchte mich zu überreden, doch noch in die Bar zu kommen. Ich blieb bei meiner Entscheidung, auch in dem Glauben, dass sich die Runde bald auflösen und mein Mann müde ins Bett fallen würde. Schließlich ging es am nächsten Tag sehr früh weiter im Programm.
Es war spät in der Nacht als Willi in unser Zimmer zurückkam. Er war sehr ungehalten über mein „Nichterscheinen“.
„Ich habe es doch nur gut gemeint“, versuchte ich zu erklären. Willi begann zu erzählen. „Die Stimmung war so gut. Es war ein toller Abend. Der Klaus Mahn hat Klavier gespielt. Irgendwann kam der Kellner und bat ihn, damit aufzuhören. Er hatte Angst um das gute Stück!“
Es war schon fast wieder Zeit zum Aufstehen, als ich meinem Mann vorschlug, endlich ins Bett zu kommen. Schließlich stand ein arbeitsreicher Tag bevor. Die Fans erwarteten ausgeruhte Autoren, die ihre Fragen beantworten konnten.

Begutachten der Modelle.

Auch am Sonntag lief alles bestens. Als sich der Con dem Ende neigte und die Halle  sich langsam leerte, sah Willi einige der Angestellten des Rosengartens. Er ging zu ihnen und unterhielt sich mit einigen von ihnen. Willi bedankte sich für die Unterstützung und die gute Arbeit. Eine der Damen sagte zu Willi: „Eins muss ich ihnen sagen. So eine große Veranstaltung mit vorwiegend jungen Leuten haben wir hier noch nie so friedlich erlebt. Es gab überhaupt keine Probleme. Erstaunlich! Es wurde nichts kaputt gemacht und alles ist so sauber. Das war eine schöne Veranstaltung.“ Sie machte Willi und die anderen Autoren, denen er davon berichtete, stolz. „Es sind halt PERRY RHODAN Fans“ war die einhellige Meinung.

Nachdem wir unser Gepäck aus dem Hotel geholt hatten, fuhren wir zurück nach Heusenstamm. Wir wurden von Klaus Mahn (Kurt Mahr) und seiner Tochter Kathy begleitet,  
die vor ihrem Rückflug in die U.S.A. noch eine Nacht in  Heusenstamm verbrachten.    

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Autogrammstunde.
© Gerhard Franz