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Über William Voltz
Biografie - Teil 34

Da Willi nicht nur Urlaub machte, sondern zwischendurch auch fleißig Romane schrieb, waren inzwischen einige Bände innerhalb der PERRY RHODAN-Serie von ihm erschienen.

Brief von Kurt Bernhardt. (Bitte klicken zum Lesen.)

Band Nr. 800 „Die Kaiserin von Therm“
Band Nr. 801 „Sirenen des Alls“
Band Nr. 810  „Homo sapiens x 7“
Band Nr. 819  „Die fliegende Stadt“
Band Nr. 829 „Die List des Terraners“
Band Nr. 830 „Die vierte Inkarnation“
Band Nr. 840 „Auf BULLOCS Spur“
Band Nr. 850 „BARDIOC“
Band Nr. 851 „Kosmischer Alptraum“

Der Cheflektor in München, Kurt Bernhardt, versorgte seine Autoren regelmäßig mit Informationen. Alles was ihm wichtig oder interessant erschien, gab er an die Autoren weiter. Er schrieb an Willi und er war sich sicher, dass 'der Voltz sich schon kümmern wird'.

Auch die Bundesprüfstelle machte es dem Verlag und den Autoren nicht leicht, wie folgender Brief zeigt, den Kurt Bernhardt an alle Autoren der PERRY RHODAN- ATLAN- ORION- und TERRA-ASTRA-Serien schrieb.

Brief an Autoren von Kurt Bernhardt. (Bitte klicken zum Lesen.)

Neben allen anderen Verpflichtungen, widmete sich William Voltz inzwischen intensiv der Bearbeitung des ersten PERRY RHODAN Buches. Da die Manuskripte damals noch alle ohne die Unterstützung eines Computers erstellt wurden, musste sich Willi überlegen, wie er praktisch und sinnvoll mehrere Hefte zu einem Buch zusammenfassen und überarbeiten konnte. Er benötigte zwei Heft-Ausgaben, die aus den Umschlägen herausgetrennt werden mussten. Willi benutzte hierfür die seit Oktober 1977 erscheinende vierte Auflage. Außerdem brauchte er eine große Menge DIN A 3 Blätter, eine Schere und viel Klebstoff. Die Heftseiten wurden in der Mitte durchtrennt und jeweils eine Seite auf ein Blatt geklebt. Wenn alle Seiten aufgeklebt waren, begann die eigentliche Arbeit an dem so entstandenen Manuskript. Willi hatte die in Frage kommenden Romane zuvor nochmals gelesen und sich bereits Gedanken gemacht, welche Passagen geändert oder gestrichen werden mussten, um einen abgeschlossenen Science-Fiction-Roman daraus entstehen zu lassen. Es war vorgegeben, dass eine komplette PERRY RHODAN-Buchausgabe einen Umfang von 800000 bis 1 Million Anschläge haben sollte.

Die Buchbearbeitung war sicher keine einfache Aufgabe; Willi ging jedoch mit Begeisterung, aber auch mit dem nötigen Respekt, an diese Arbeit. ‚Mulmig’ war ihm nicht zumute, wie ihm später unterstellt wurde. Auf gar keinen Fall benutzte Willi die alte PERRY RHODAN-Leihbuchausgabe als Vorlage. Die Bücher blieben im Schrank und wurden für seine  Buchbearbeitung nicht hervorgeholt. Willi hatte sich vorgenommen, eine bessere Qualität abzuliefern.

Die  damit verbundene Arbeit hatte zur Folge, dass wir uns entschlossen hatten, im Jahr 1978 keinen Sommerurlaub einzuplanen. „Vielleicht können wir ein paar Tage wegfahren“, meinte Willi. Wir hatten Verständnis für die Situation und unterstützten den Ehemann und Vater, soweit es möglich war, bei seiner wichtigen Arbeit.

Bei einem Treffen mit unseren Freunden Ute und Peter, erzählten sie davon, dass sie ihre Kinder in den Osterferien in ein Erholungsheim nach Freudenstadt im Schwarzwald bringen würden. Christiane war bereits dort und es hatte ihr gefallen. Sie fragten uns, ob Stephen und Ralph nicht auch mitkommen möchten. Nach den  Erfahrungen unserer Kinder mit Erholungsheimen waren wir nicht davon überzeugt, dass sie begeistert zustimmen würden.

Beim Frühstück am nächsten Morgen erzählten wir von dem Gespräch. „Wenn Jörg und Christiane dabei sind, fahren wir mit!“, war die überzeugt hervorgebrachte Antwort. Da der Sommerurlaub für uns in diesem Jahr gestrichen war, fanden wir diese Lösung gut und meldeten unsere Kinder für drei Wochen in den Osterferien an.

Mitte März war es so weit.  Die Koffer waren gepackt und unsere Kinder freuten sich auf die Zeit im Schwarzwald. Wir trafen uns mit unseren Freunden und fuhren gemeinsam nach Freudenstadt. Im Schwarzwald lag noch Schnee. Wir mussten unsere Autos parken und den schwer begehbaren Rest des Weges zu Fuß zurücklegen. Es erwartete uns ein mitten im Wald gelegenes, schön anzusehendes Gebäude. Eine kleine, resolute Frau in einer Krankenschwesterntracht empfing uns und brachte uns zur Chefin des Sanatoriums, einer Ärztin, die, wie die Schwester, nicht mehr zu den Jüngsten zählte.
Wir erkannten sofort, dass es hier strenge Regeln gab und Ausnahmen nicht dazu gehörten. Als wir uns von unseren Kindern verabschieden mussten, hatten wir kein angenehmes Gefühl. Wir verdrängten es und hofften für unsere Kinder auf eine angenehme Zeit.

Bald kam Post von den Buben und es lagen zwei Fotos dabei, auf denen die Kinder, mit Osterkörbchen in den Händen, zu sehen waren. Es beruhigte uns, dass auch jüngere Frauen, freundlich lächelnd, auf diesen Fotos zu sehen waren. Die Kinder berichteten, dass sie mit den Erzieherinnen im Schnee Ostereier gesucht hätten.

Als zwei der drei angesagten Wochen vorbei waren, riefen unsere Freunde an und berichteten uns, dass sie ihre Kinder vorzeitig abholen würden – sie hatten Heimweh. Da wir nichts Negatives gehört hatten, fuhren wir erst eine Woche später zum ausgemachten Zeitpunkt nach Freudenstadt, um unsere Kinder nach Hause zu holen. Wir wurden wieder in das Büro der Chefin gebracht: „ Es ist alles gut verlaufen und ihre  Kinder sind nicht unangenehm aufgefallen. Gesund sind sie auch!“, erklärte sie uns. Als man die beiden brachte und wir die Tränen in ihren Augen sahen, wussten wir, dass  die Ursache für diese Tränen nicht der Abschiedsschmerz war. Wir hatten offensichtlich wieder einen Fehler gemacht, in der besten Absicht, unseren Kindern eine schöne Erholung zukommen zu lassen. Wir versprachen den beiden noch einen gemeinsamen Kurzurlaub in den Sommerferien – ohne Zucht und nur ein bisschen Ordnung.

Willis Vorbereitungen für den ersten PERRY RHODAN-Silberband waren in den vergangenen Wochen gut vorangeschritten und näherten sich dem Ende. Bei einem Telefongespräch mit Kurt Bernhardt wurde über Einzelheiten gesprochen. „Sie kommen mit ihrer Frau nach München und liefern das Manuskript hier ab“, sagte der Lektor. Er hatte tatsächlich Bedenken, dass das wertvolle Stück auf dem Postweg verloren gehen könnte. „Sie kommen in den Verlag und abends gehen wir mit unseren Frauen gemütlich essen. Ich kenne ein sehr gutes Restaurant!“ So machte der Cheflektor in euphorischer Stimmung dem Autor die Reise nach München schmackhaft.

Wir freuten uns auf diese Münchenreise ganz besonders und nicht nur, weil München immer eine Reise wert ist. Dieser Anlass war ein ganz besonderer. Nach siebzehn Jahren PERRY RHODAN-Serie war das erste Buch fast fertig für den Druck. Frau Christa Bauer, eine Mitarbeiterin der Redaktion in München, war beauftragt, das Manuskript abzuschreiben, um es in eine übersichtliche und gut lesbare Fassung zu bringen. Wer immer ein solches Manuskript in der Urfassung zu sehen bekam, weiß, dass Frau Bauer ein ganz besonderer Dank und Anerkennung gebührt.

Nach der Abschrift wurde das ‚ordentliche’ Manuskript an G.M. Schelwokat geschickt, der es nach Überprüfung für den Druck freigab. Auch GMS war von dem Ergebnis sehr angetan. Der Anfang war gemacht – jetzt musste das erste PERRY RHODAN-Buch nur noch gedruckt, ausgeliefert und gekauft werden. 

link Ankündigung des Verlags

Nach unserer Ankunft in München und Einquartierung im Hotel EDEN-WOLF, das für viele Jahre das Stammhotel der Rhodan-Autoren war, begab sich Willi in den Verlag. Für mich war ein gemütlicher Stadtbummel angesagt.

Als wir uns nach ein paar Stunden wieder im Hotel trafen, sagte Willi, dass uns Kurt Bernhardt und seine Frau um zwanzig Uhr im Restaurant ‚Schildkröte’ erwarten würden. „Nemme se sich e Taxi, dann könne se auch was trinke“, hatte der Cheflektor geraten, der immer gerne in seinen Frankfurter Dialekt schwenkte, wenn er mit Menschen aus seiner Heimat zusammentraf. Auch Frau Bernhardt, die wir an diesem Abend zum ersten Mal trafen, konnte und wollte ihre Herkunft nicht verschweigen. Ich werde nie ihre Geschichten vergessen, die sie an diesem Abend zum Besten gab. Sie erzählte von Schauspielern, die man ja in München immer mal trifft, von den Zusammenkünften mit Familie Scheer, die gelegentlich stattgefunden hatten oder von ihrer Masseuse, die immer versuchte, ein gestochenes Hochdeutsch zu sprechen. „Ich hab’ immer vermutet, dass sie auch aus unserer Gegend kommt“, erzählte Frau Bernhardt. Der Beweis für sie war, dass die junge Frau, als es während einer Behandlung an der Tür geklingelt hatte, sagte: Entschuldigung, ich muss an die Tür, es hat geschellt! „Überall klingelt’s – nur bei Hesse schellt’s“, sagte Frau Bernhard lachend. Das Lachen war ansteckend. Auch Kurt Bernhardt hatte einige Anekdoten zu erzählen. Die meisten kamen aus der Verlagswelt und ließen erkennen, dass dieser Mann eine gute Menschenkenntnis besaß – er kannte seine Pappenheimer. Wir verbrachten einen wunderschönen Abend und lernten Kurt Bernhardt, wieder einmal, von einer ganz anderen Seite kennen. 

Zu Hause angekommen, holte uns der Alltag schnell wieder ein. Willi arbeitete daran, dass die Autoren mit Exposés versorgt wurden. Außerdem brachte der Verlag seit Oktober 1977 monatlich das PERRY RHODAN -Magazin auf den Markt, an dem William Voltz aktiv mitarbeitete. Außer interessanten Berichten, die in dem Magazin veröffentlicht wurden, erschien ab Nummer 1/1980  auch der  Storyzyklus „Das Weltraumteam“ von William Voltz.

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