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Über William Voltz
Biografie - Teil 30

In den siebziger Jahren wurden nicht nur viele Romane geschrieben, sondern auch unzählige Briefe, die auf Willis Schreibtisch landeten. Im ersten Halbjahr 1975 kamen alleine von Walter Ernsting (Clark Darlton) vierzehn Briefe. Die Postkarten, die zwischendurch ankamen, nicht mitgezählt. Walter war inzwischen dazu übergegangen, seine Briefe auf richtiges Briefpapier zu schreiben – nicht mehr auf Durchschlagpapier. Das erleichterte das Lesen seiner Zeilen wesentlich. Walters Briefe waren immer eine Mischung aus Ernsthaftigkeit und Clownerie. Es wurde über die PERRY RHODAN- ATLAN- und DRAGON-Serie diskutiert, ebenso über Dinge, die man ändern  sollte und über Sorgen, die man sich machte.

Ein wichtiges Thema war zu dieser Zeit der bevorstehende PERRY RHODAN-Con in den U.S.A., der vom 2.bis zum 4.Januar 1976 in Washington D.C. stattfinden sollte. Ein junger Fan aus Florida, Tim Whalen, war maßgeblich an der Organisation des RHOCons beteiligt. Es war geplant, dass Clark Darlton und Willi Voltz nach Washington D.C. fliegen werden, um an dem Con teilnehmen. Kurt Mahr, der zu dieser Zeit noch in Bruckmühl, südlich von München wohnte, sollte ebenfalls nach Washington kommen.

link Brief von Tim Whalen

Auch von einer bevorstehenden Veranstaltung der AAS (Ancient  Astronaut  Society), zu der sich Erich v. Däniken und Freunde Ende Mai in Zürich treffen wollten, schrieb Walter. Willi war, ebenso wie Kurt Bernhardt, zu diesem Treffen eingeladen.  Aus einem Brief vom 6.Juni geht hervor, dass die Zusammenkunft eine angenehme gewesen sein muss:

„Ansonsten war es schön, Dich mal wiederzusehen, und auch das Treffen mit KB war nett und gut. Man will nun die Vorträge nicht als Paperback, sondern innerhalb der PR-Hefte bringen, die dann jeweils ohne Mehrkosten um 16 Seiten verlängert werden. Wir sind noch einige Tage auf Erichs Kosten im Hotel geblieben. Der Kreis war enger, es gab viel Spaß und engere Kontakte. So hatte ich eine Diskussion mit dem Lichtgeschwindigkeitsexperten Mehlsack (der heißt richtig Mehlhose, aber das finde ich genauso lustig). Sehr interessant. Bekam ein paar gute Ideen .    
Nun ja, mehr nicht heute. Sehen uns am 12.Juni ohnehin.

Gruß auch von Bibs, die Dich zu meinem Entsetzen schrecklich sympathisch findet.
Herzlichst, Walter“

Für den 12.Juni war eine Gruppen-Diskussion vorgesehen, die im „Schuhhotel“ Eden stattfinden sollte, wie Walter es nannte. In diesem Münchener Nobelhotel sorgten Walter und Willi viele Jahre zuvor für den „Schuhskandal“. 

link Bericht vom 2.Juli 1975 (Gruppendiskussion)

Viele Briefe kamen in dieser Zeit auch von den Autoren  Ernst Vlcek, den Kurt Bernhardt  gerne Flatschek nannte,  von  Klaus Mahn (Kurt Mahr), H.G. Ewers, H.G. Francis, sowie von den Jungautoren Peter Terrid und Dirk Hess, der sich bei Atlan eingearbeitet hatte.
Am häufigsten kam jedoch Post aus München. An Kurt Bernhardt, der weiterhin die Redaktion von München aus leitete, kam kaum ein Leserbrief unkommentiert vorbei.
Am 2.7.1975 schickte K. Bernhardt ein umfangreiches Exposé an Willi. Es kam von Franz Dolenc aus Wien und beinhaltete „Zusammenfassende Bemerkungen über die Bände 700 – 723“.  Dieses Exposé wurde an die Autoren und an G.M.Schelwokat geschickt: „…unabhängig davon“, schrieb K. Bernhardt, „ob die verschiedenen Punkte der Kritik stimmen oder nicht. In jedem Fall bitte ich Sie, Herrn Dolenc zu antworten, denn hier liegt schon eine kleine Doktorarbeit vor.“  
Franz Dolenc war ein sehr eifriger und gründlicher Leser der PERRY RHODAN-Serie, der später zu einer großen Stütze für William Voltz bei der Buchbearbeitung werden sollte.
 Am 26.9.1975 schrieb der Cheflektor an Willi: „…ich schicke Ihnen heute einen Leserbrief  von Brigitte S., die mich schon seit Jahren verfolgt, nicht wegen meiner Männlichkeit, sondern wegen PERRY RHODAN, da sie eine eifrige Leserin dieser Serie ist. Ich fände es einen ganz guten Gag, wenn wir diesen Brief in der nächsterreichbaren Kontaktseite veröffentlichen, natürlich mit dem beiliegenden Foto. Außerdem will ich die Schauspielerin bitten, daß wir noch eine Werbeanzeige über PERRY RHODAN und sie als PERRY RHODAN-Leserin in unseren Objekten bringen dürfen. Vielleicht rufen Sie mich in dieser Angelegenheit nochmals an…“   
Ebenfalls im September kam eine fünfseitige Zusammenfassung, in der ein Leser aus Wien seine Forschungsideen niedergeschrieben hatte. Bernhardt schrieb: …“ich schicke Ihnen heute diese weltanschaulichen Gedanken von Karl J. zu. Ich muß offen bekennen, daß ich keinen richtigen Einblick gewonnen habe. Ich verstehe nicht, was der Mann will. In jedem Fall möchte ich, daß Sie davon Kenntnis nehmen und an meinen Hinweis denken, daß die gesamte Tierwelt ein menschliches Gehirn eingepflanzt bekommt, so daß die Tiere den Menschen, von der Intelligenz und vom Verstand her, gleich sind. Da könnte man meines Erachtens ganz schöne Handlungsfäden ziehen, und wir hätten wieder eine neue Sache für Perry Rhodan.“ 
Die Anzahl der wöchentlich eintreffenden Leserbriefe erhöhte sich. Das Interesse der Leser am Äußern ihrer Meinungen war geweckt worden. Kurt Bernhardt reagierte sofort, wenn er den Eindruck hatte, dass sich bei den Lesern Unzufriedenheit breit machte.

link Brief vom 26.6.1975 Bernhardt an Willi  

Oft begannen die Fans ihre Briefe mit den Worten: „Auch ich möchte einmal meinen Senf dazu geben!“  Viele Briefe wurden noch an den Verlag adressiert, vom Cheflektor gelesen und, wenn er es für nötig befand, mit einer Notiz versehen. Danach wurde die Post an Willi geschickt, der ebenfalls alle Briefe las und beantwortete. Einige suchte er aus für die Leser- Kontaktseite. Willi scheute nicht davor zurück, auch kontroverse Themen zu veröffentlichen. Sein Gedanke dabei war, die Leser zu motivieren, die LKS als Podium für Diskussionen zu benutzen. Er hatte jedoch die Rechnung ohne den Wirt (Cheflektor) gemacht. Alle von Willi erstellten Kontaktseiten gingen vor der Veröffentlichung an Kurt Bernhardt. Ihm entging nichts – und wenn dem Chef etwas nichts passte, griff er zum Telefon. Eine seiner Reaktionen war: „Voltz, sind sie verrückt? Das können sie nicht bringen! Die Leser laufen Amok!“   Willi versuchte, Kurt Bernhardt von seinem Standpunkt zu überzeugen. Das gelang nicht immer. Bernhardt beendete eine der Diskussionen mit den Worten: „Man schlachtet nicht die Kuh, die einem Milch gibt!“  Damit war dieses Thema beendet.
Seit einigen Monaten unterstützte ich meinen Mann bei der Beantwortung der Leserpost. Willi fragte mich eines Tages was mir lieber sei – eine Putzfrau für mich oder eine Sekretärin für ihn. Ganz spontan entschied ich mich für die Putzfrau.  Nach zwei hoffnungslosen Versuchen wurde allerdings im Hause Voltz wieder selbst geputzt.
Das Lesen der Briefe brachte auch mich den Perry Rhodan Fans und ihren Gedanken etwas näher. Die Briefe zeigten, wie engagiert sich die Leser schon damals mit der Serie auseinander zu setzen wussten. Willi war davon begeistert. Der Kontakt, auch der persönliche, wurde durch die Leserpost intensiviert.
 
Für den Sommer 1975 hatten wir endlich wieder einen Urlaub geplant. Unsere Freunde Ute und Peter, sowie ihre Kinder Jörg und Christiane, fuhren mit uns nach Spanien in den Ort Llafranch. Ein weiteres Ehepaar  mit Sohn kam ebenfalls an die Costa Brava, um mit uns gemeinsam die Ferien zu verbringen. 
Nach Spanien fuhren wir mit einem neuen Auto. Wieder ein Alfa. Diesmal blau und sportlich geformt. Unsere Kinder waren zwar noch klein, aber für eine vierköpfige Familie, die in den Urlaub einiges an Gepäck mitnehmen musste, war dieser Wagen, meiner Meinung nach, nicht groß genug. Der hässlich-gelbe Alfa, den wir zuvor hatten, war ebenso wenig zufriedenstellend gewesen wie der weiße davor. In den zwei Jahren, die das Auto von uns gefahren wurde,  musste dreimal die Kupplung ausgetauscht werden.  Wie immer war ich dafür verantwortlich, frühmorgens  nach Offenbach in die Werkstatt zu fahren. Ich erklärte dem Meister das Problem und fuhr mit dem Bus nach Hause. Kaum dort angelangt rief die Werkstatt an: „Die Kupplung ist kaputt. Ihre Frau lässt  sie bestimmt schleifen!“  Klar, dachte ich nur – wer sonst.  Da dieses Problem weder davor noch danach jemals wieder bei einem Wagen aufgetreten war, nahm ich den Vorwurf relativ gelassen hin. Unser Alfa brachte uns auch ansonsten wenig Glück. Noch in Offenbach wohnend, hatte Willi einen Unfall. Es war ein Tag, der schon nicht besonders angenehm begonnen hatte. Wir hatten eine Diskussion und konnten für unsere unterschiedlichen Meinungen keinen gemeinsamen Nenner finden. Ein Lichtblick an diesem Morgen war ein Scheck über DM 4.500,-- vom Moewig-Verlag, den der Postbote gebracht hatte. Willi verließ unsere Wohnung und brummte nur: „Ich bringe den Scheck zur Bank!“

Einschulung von Ralph.

Etwa zwanzig Minuten später klingelte es an der Wohnungstür. Davor stand unsere Nachbarin vom Parterre. „Erschrecken Sie nicht, Frau Voltz!“  Zu spät. Diese Begrüßung reichte aus, um bei mir das Gegenteil zu erreichen.  Sie erzählte mir, dass mein Mann an der Kreuzung  Taunus-  und Goethestraße  einen Unfall hatte. Sie versicherte mir, dass es ihm gut gehe, er brauche nur ein ihm fehlendes Papier für die Polizei. Ich eilte mit dem Papier zur Unfallstelle. Wie immer in einer solchen Situation mangelte es nicht an Publikum. Willi saß im Polizeiauto. Bis auf einen Schrecken hatte er tatsächlich nichts abbekommen. Der Alfa dagegen sah nicht sehr gesund aus und stand schräg vor einem Laden an der Ecke. Willi erzählte mir später, dass er, wie vorgeschrieben, an der Kreuzung gehalten hatte und weiterfuhr, weil er kein Auto von rechts kommen sah. Kaum war er weiter gefahren, krachte ihm ein Taxi in die Seite und schleuderte ihn bis vor den Laden an der Ecke. Dass der Taxifahrer zu schnell fuhr in einer auf beiden Seiten zugeparkten Straße, spielte keine Rolle. Die Schuld an dem Unfall wurde Willi zugeschrieben. Wahrscheinlich war er mit seinen Gedanken noch bei unserer Diskussion. Die Höhe des Schecks, den Willi zur Bank bringen wollte, deckte fast auf den Pfennig genau die Kosten für die Reparatur an unserem Auto.

Willi unterwegs beim Fussball.

Nach unserem Urlaub in Spanien, der ausgesprochen harmonisch und erholsam verlief, war für uns klar, dass unsere Wahl beim nächsten Autokauf auf eine andere Marke fallen würde. Bereits nach kurzer Zeit lösten sich an unserem neuen Auto die Schrauben, mit denen die kleinen Lautsprecherboxen im Fußraum angebracht waren.  Außer mit Klebeband ließen sie sich nicht mehr bändigen. Bei dem Versuch die Autotür zu schließen, behielt ich die Innenverkleidung in der Hand, während die Tür noch offen stand…  Inzwischen hatte auch Willi, der große Alfa-Fan, genug schlechte Erfahrungen gesammelt, um sich beim nächsten Autokauf für eine andere Marke zu entscheiden.
Nach den Ferien wurde unser zweiter Sohn, Ralph, eingeschult.

Am 12.September 1975 erstellte Willi einen Textvorschlag für eine Werbeseite zum PERRY RHODAN-Band Nr. 750, den er an die Redaktion in München schickte.

Willi schiesst das 2-3.

link Textvorschlag für Werbeseite

Der dafür zuständige Redakteur, Joachim Bulla, antwortete:

link Brief von J.Bulla

Bei aller Arbeit kam auch das Hobby nicht zu kurz. Sonntags vormittags war Willi als „Spielausschuss“ mit der Reserve und der 1.Mannschaft der Sportgemeinschaft Rosenhöhe unterwegs.

Wie ein Zeitungsausschnitt zeigt, durfte Willi sogar gegen die Alten Herren der lokalen Fußball-Prominenz spielen.

Auch der Rest des Jahres zeichnete sich durch hohe Schreibaktivität aus. Dies hatte zur Folge, dass für das Jahr 1975 zwei der damals üblichen Schnellhefter benötigt wurden.  Am 22.12.1975 schrieb Kurt Bernhardt den für dieses Jahr letzten Brief an Willi.

link Brief vom 22.12.1975 Bernhardt an Willi

Walter (Clark Darlton) hatte inzwischen mit Willi besprochen, dass er mit Lebensgefährtin Bibs nach Heusenstamm kommen würde, um gemeinsam mit Willi am 1.Januar 1976 nach Washington D.C. zu fliegen. Sie meldeten sich für den 30.Dezember an. Genau wie wir freuten sich auch unsere Buben auf den Besuch. Walter und Bibs waren immer gern gesehene Gäste. Es wurde eine ruhige Silvesternacht, denn die drei Amerikareisenden mussten früh aufstehen. Das am Tag zuvor bestellte Taxi kam pünktlich und Walter, Bibs und Willi machten sich am ersten Tag des neuen Jahres  auf den Weg zum Flughafen nach Frankfurt, der etwa 20 Minuten von unserem Haus entfernt liegt. Gerne wäre ich mit geflogen, aber die mütterliche Pflicht hielt mich auch von dieser Reise zurück.
Die vergangene Nacht war sehr stürmisch und der Wind fegte noch immer heftig durch die Straßen. Ich begann damit, herumliegendes aufzusammeln. Auch die Überbleibsel des Feuerwerks wurden bei dieser Gelegenheit gleich entfernt. Hoffentlich haben die drei einen ruhigen Flug, der nicht durch Turbulenzen gestört wird, dachte ich. Wie mir Willi später erzählte, nutzte mein Wünschen nichts. Für einige Zeit wurde das Flugzeug ordentlich durcheinander geschüttelt, mit dem Erfolg, dass die Stewardess öfters nach Whiskey gefragt wurde…
      

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