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Über William Voltz
Biografie - Teil 3

Clubtreffen Frankfurt: (v.l.) Shols, Voltz, Scheer.

Willis neues Aufgabengebiet im Team der Perry Rhodan Autoren  bereitete ihm nicht nur Arbeit; es machte ihm Spaß und er war mit Enthusiasmus  dabei.
Ab sieben Uhr morgens tat er seinen Dienst in  der Fabrik.  Nach “Feierabend” setzte sich Willi  an die Schreibmaschine und schrieb etwa drei Seiten für seinen nächsten Perry Rhodan Roman. Es sollte Band Nr. 87  werden.  An den Wochenenden wurde dann meist etwas mehr geschrieben.

Seine uralte Schreibmaschine, ich glaube, es war eine “Adler”,  hatte er inzwischen gegen eine modernere Maschine aus der ehemaligen DDR ausgetauscht.
Gelegentlich hatte ich das Vergnügen, auf dieser Maschine  schreiben zu dürfen. Man musste seine ganze Kraft aufwenden, um einen Buchstaben aufs Papier zu bringen. Wenn ich mich richtig erinnere, hatte Willi diese Maschine K.H. Scheer  abgekauft.

Leserbrief zu PR Band 74
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Die folgenden Perry Rhodan-Romane waren die Nummern 92 und  99.

Von jedem Roman wurden, wie das früher üblich war, mit Kohlepapier   Kopien gemacht. Das Original des Romans ging an Günther M. Schelwokat, die Kopien wurden an die Autoren verteilt.  Das Sortieren der Kopien war meine Aufgabe.

G.M.S erwartete, dass Willi einige Tage nach Ablieferung seiner Romane (üblicherweise Freitagabend)  anrufen würde, um sich seine Abfuhr erteilen zu lassen. Da Willi kein eigenes Telefon besaß, und er nicht das Telefon seiner Eltern benutzen wollte, sammelte er Markstücke und ging jedes Mal zum nächsten Telefonhäuschen. Willi verbrachte viel Zeit in dem engen Gehäuse. Nicht selten verging eine Stunde, bevor er wieder frische Luft atmen konnte...   Im Sommer ließ Willi die Tür des Häuschens offen, damit er  ausreichend Sauerstoff bekam, um G.M. Schelwokats Verbesserungsvorschlägen folgen zu können.  Wenn es nichts Wichtigeres gab, konnte dieser sich minutenlang über ein Komma auslassen.

GMS war zweifellos ein Kenner der Science-Fiction und ein Meister seines Metiers. Im Umgang mit Menschen fehlte ihm, meiner Meinung nach, manchmal das Gefühl.
William Voltz war ein geduldiger und gelehriger Schüler, und es dauerte nicht sehr lange, bis er den alten Preußen auf seiner Seite hatte.  

Leserbrief zu PR Band 99
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Auch von KHS  bekam der Neuling Hilfestellung und Anregungen für seine Mitarbeit an der Perry Rhodan-Serie.

Ich erinnere mich an unseren ersten gemeinsamen Besuch im Hause Scheer. Willi besaß noch kein Auto. Wir waren auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, um von Offenbach nach Friedrichsdorf im Taunus zu gelangen. Die Straßenbahn brachte uns an einem Sonntag nach Frankfurt. In der Nähe des Messegeländes stiegen wir um in einen Bus, der uns nach Bad Homburg brachte. Dort nahmen wir die “Bimmelbahn” nach Friedrichsdorf.  Den Rest des Weges gingen wir zu Fuß.  K.H. und Heidrun Scheer wohnten damals noch in einem gemieteten Häuschen. Inzwischen war es Nachmittag und es gab zum Kaffee den vom Heyne Verlag zu Weihnachten an die Geschäftskollegen verschickten original Dresdner Christstollen (Dresden war die Heimat der Familie Heyne).
Trotz meiner Abneigung gegen diese Art von Kuchen lehnte ich das mir angebotene Stück nicht ab. Ich war nach unserer langen Anfahrt einfach zu hungrig, und meine Schüchternheit ließ es nicht zu, nach etwas anderem zu fragen.
Wider Erwarten schmeckte mir der Stollen, und ich änderte von da an meine Meinung.  Das war  auch gut so, denn mit Willis Einstieg in die Perry Rhodan - Serie gehörten wir zu dem erwählten Kreis der Stollen-Empfänger in der Weihnachtszeit. Wir empfanden es als eine nette Geste.

Willi und Inge: Sylvester 1962.

1962 war das Jahr, in dem meine Mutter eine Wohnung in Nieder-Eschbach bezog. Dieser kleine Ort liegt im Taunus, nicht weit von Bad Homburg entfernt. Für unsere damaligen Verhältnisse war es am Ende der Welt.
Meine Mutter war Sekretärin des Oberpostdirektors in Frankfurt und bekam nach langer Suche diese Wohnung durch die Post. 
Sehr zu unserer Beruhigung behielt meine Oma noch für eine Weile die Wohnung in der Bleichstraße in Offenbach. Sie übte immer noch ihren Beruf als Musikpädagogin aus.

Willi, der ein Jahr zuvor seinen Führerschein gemacht hatte, kaufte sich im Sommer 1962 von einem Bekannten ein gebrauchtes Auto. Es war ein Opel Olympia - Cabriolet, Baujahr 1952.
Für ein Jahr hatte er kein Steuer in der Hand. Als Willi nun stolz und zum  ersten Mal  in die Einfahrt zu seinem Wohnhaus einbog, rammte er leicht aber geräuschvoll einen Pfosten aus Stein. Sein Vater meinte nur„Willi kommt!“ 
Der Stein war etwas angekratzt – am Auto sah man nichts. Die Qualität der Karosserien war damals wohl doch besser als heutzutage.

Es sollte nicht das letzte Erlebnis sein, das Willi mit diesem Auto hatte.

Südfrankreich, Willi sitzend in Bildmitte.

1962 war auch das Jahr, in dem Willi seinen ersten Urlaub machte.
Seit dem Tod seiner Mutter gab es keinen Familienurlaub mehr. Sein Vater war mit seiner zweiten Frau zu einem begeisterten Camper geworden. Willi verbrachte seit Jahren seine Ferien und die Wochenenden im Sommer alleine zu Hause. Als nun einige seiner Kollegen, mit denen er befreundet war, die Idee hatten, einen günstigen Urlaub in Südfrankreich zu verbringen, gesellte sich Willi zu ihnen.  Die Truppe fuhr mit dem Bus an die Cote d’Azur, in die Nähe von Toulon. Es wurde viel getrunken und wenig geschlafen – die Wellblechhütten luden dazu auch nicht gerade ein.
Willi genoss die zwei Wochen und kam braungebrannt zurück.  

Willis Mitarbeit an der Perry Rhodan-Serie machte Fortschritte.
Nach den Bänden 74, 87, 92 und 99 war nun Band Nr. 104 an der Reihe. Am 22.4.1963 stellte Kurt Bernhardt, Cheflektor für Science-Fiction im Arthur Moewig Verlag in München, den Vertrag für den Roman  „Pincer, das Greenhorn“  aus. Der Titel  war Willis erste Wahl für diesen Roman. Für jeden Roman musste der Autor drei Titel liefern. Die endgültige Entscheidung wurde vom Lektor getroffen – und der entschied sich für „Nur ein Greenhorn“
Das Honorar für die ersten Bände betrug  650.-- DM. Ab Band Nr. 119 – Willis Titel für diesen Roman war „Der Ruf des Scouts“ und wurde von GMS in „Saat des Verderbens“ geändert – wurde das Honorar auf 700.--DM erhöht.

In Südfrankreich mit Freund.

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