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Über William Voltz
Biografie - Teil 27

Für die ATLAN-Serie schrieb Willi im sich dem Ende neigenden Jahr 1972 noch zwei Romane. Diese waren:

Brief
Bild klicken zum Lesen. Brief von Herrn Bernhardt, 2.3.1973.

Nr. 61 „Der Positronik-Boy“ und
Nr. 77 „Der Robotmensch und der Mutant“ (Willis Titel: Die letzte Spur)
Ab Heft Nr.78 wurde die ATLAN-Serie wöchentlich gebracht. Ab Band Nr.88 erschien ATLAN-Exklusiv.

Willi verfasste außerdem noch ein Taschenbuch, dem er den Titel „Die Söhne Terras“ gab. Es erschien 1973 unter einem anderen Titel. Auch der TERRA ASTRA-Roman, der als Erstdruck 1973 erscheinen sollte, bekam von G.M. Schelwokat einen anderen Titel. (Willis Wahl war: „Der Krieg gegen die Dranks“.)

Da mir Kinder, Haushalt und andere Aufgaben wenig Zeit ließen, wurden Willis Romane seit etwa drei  Jahren  von unserer Freundin Lilo abgeschrieben und in die für den Verlag vorgesehene „Reinschrift“ gebracht. Willi war begeistert von den ordentlichen, fehlerfreien Manuskripten, die Lilo ablieferte. Doch schon bald war Willi der Meinung, dass er jetzt genug Routine habe und seine Romane ohne nochmaliges Abschreiben abliefern könnte.
Wir wohnten immer noch in der kleinen Wohnung in Offenbach und ich musste unsere Kinder oft außer Haus beschäftigen, damit Willi die nötige Ruhe zum Arbeiten hatte. Ein beliebter Platz war das Vereinsgelände der Rosenhöhe. Hier konnten sich die Kinder austoben und hier sollten sie auch bald in Mini-Fußballschuhen ihre ersten Versuche unternehmen, den Verein sportlich zu unterstützen.
Unsere Schlafräume hatten wir inzwischen umgestaltet. Das Kinderzimmer, das bisher Willis Arbeitszimmer war, gehörte nun ganz den Kindern. Unser Schlafzimmer diente tagsüber als Arbeitszimmer in dem abends, nach einem kleinen Umbau,  geschlafen wurde.     
Willi, der Pazifist, besaß immer noch eine alte Winchester und eine kleine Pistole, die ihm Herbert vor Jahren verkauft hatte. Warum ausgerechnet Willi diese Waffen gekauft hatte, war mir unverständlich, da er weder an Waffen interessiert war noch jemals, z.B. aus sportlichen Gründen, damit geschossen hatte.
Spät abends, wir hatten den ganzen Tag gearbeitet und waren müde, stand Willi mit der Winchester in den Händen vor mir und überlegte, wo er sie unterbringen könnte. Er stellte die Waffe zwischen Schrank und Wand, wo sich eine schmale Öffnung befand. Ich äußerte meine Bedenken, die Willi versuchte mir auszureden. „Die Waffe ist nicht geladen, da kann nichts passieren!“ Die Munition deponierte er in einer Schublade unseres neuen Anbauschranks.

Inzwischen hatte der Verlag nach Rücksprache mit K.H. Scheer und Willi angeordnet, dass die ATLAN-Exposés ab Band Nr.81 alleine von Willi angefertigt werden. Herberts labiler Gesundheitszustand garantierte nicht mehr die Einhaltung der Terminplanung. Die Redaktion musste reagieren, um größere Probleme in der Zukunft auszuschließen.

Brief
Bild klicken zum Lesen. Brief von Herrn Bernhardt, 7.3.1973.

Am 1.Februar 1973 teilte Kurt Bernhardt Willi mit, dass er seinen Roman ROBOT LEGENDE als Band Nummer 3 in der UTOPIA-Großband Reihe eingeplant habe. Da Willis Manuskript nur einen Umfang von 202.500 Anschlägen hatte, musste er den Roman um 37.500 Anschläge erweitern. Herr Bernhardt schrieb: „Machen Sie es sich so einfach wie möglich. Es wäre mir lieb, wenn ich das Manuskript in den nächsten acht Tagen zurückerhalten würde.“
Bereits am 9.2. wurde der Vertrag für ROBOT LEGENDE ausgestellt.
Noch im selben Monat ließ Kurt Bernhardt die Autoren wissen, dass zwei der Kollegen sich mit dem angebotenen Honorar nicht zufrieden geben möchten. Er schrieb: „Aufgrund dieser neuen Situation kann der Verlag die Utopia Taschenbücher zu einem Preis von DM 2,-- nicht herausbringen. Das Erscheinen der Utopia-Reihe wird daher zurückgestellt.“ 

Brief
Bild klicken zum Lesen. Brief von Herrn Bernhardt, 28.5.1973.

Obwohl Kurt Bernhardt mehrmals in der Woche telefonischen Kontakt zu Willi hatte, wurden immer noch viele Briefe geschrieben, in denen mehr oder weniger ausführlich Nachrichten übermittelt und Themen besprochen wurden.  
Hier einige Beispiele, die zeigen, dass der Cheflektor Willis Arbeit schätzte und auf die Meinung seines Autors großen Wert gelegt hatte.

Im  April bekam Willi Post von Erich v. Däniken. Er schrieb:
Sehr geehrter Herr Voltz,
wie Ihnen mein Freund Walter Ernsting mitgeteilt hat, möchte ich bei meinem Bildband, der im Herbst auf den Markt kommt, für eine Gruppe phantasieloser Hornochsen demonstrieren, wie ein Kugelraumschiff aussehen könnte. Ich habe aus dem Band „Perry Rhodan“ 50 Riss-Zeichnungen folgende Kugelraumschiffe ausgewählt:

Es ging im Folgenden um das Copyright und die Zahlung an die Zeichner. Er war außerdem der Meinung:
„… dass der Abdruck der beiden Bilder in seinem Bildband keine schlechte Reklame für die beiden Zeichner, wie auch für die technische Qualität von PR hergibt.“
Dänikens Brief war, wie alle anderen die Willi von ihm bekam, nicht unterschrieben. Sie endeten mit dem üblichen: Ihr Erich von Däniken (nach Diktat verreist). Die Sekretärin unterschrieb im Auftrag.

Brief
Bild klicken zum Lesen. Brief von Herrn Bernhardt, 30.5.1973.

Im Mai machten die Alten Herren der Rosenhöhe eine Wochenendreise zu einem Turnier nach Berlin. Es sollte ein Wochenende werden, das nie mehr aus meinem Gedächtnis gelöscht werden kann und das mir heute noch, nach siebenunddreißig Jahren, großes Unbehagen bereitet, wenn ich daran denke, was hätte passieren können. Ich erzähle diese Geschichte auch, weil sie der Beweis dafür ist, dass man Kinder, egal wie jung sie sind, nicht unterschätzen sollte.
Als ich morgens aufwachte, hörte ich meine Kinder bereits in ihrem Zimmer spielen. Sie wussten sich immer zu beschäftigen. Schallplatten wurden aufgelegt, mit Legos gebaut, Bücher betrachtet, und manchmal wurde auch gestritten. Es hörte sich alles recht friedlich und normal an. Ich wollte nur noch kurz ins Bad gehen, meinen Kindern einen Guten Morgen wünschen und uns das Frühstück zubereiten.
Es ist schwer zu erklären oder zu schildern, was in mir vorging, als dieser Schlag zu hören war, der gerade unsere Wohnung, wahrscheinlich das ganze Haus erschüttert hatte. In Bruchteilen von Sekunden gingen mir Gedanken durch den Kopf, was diesen Knall verursacht haben könnte. Ist das Etagenbett umgefallen und gleichzeitig der Schrank? Liegen meine Kinder darunter? Ich ahnte, dass etwas anderes diesen Schlag verursacht haben musste. Im Flur war Stephen, der versuchte, die Tür zum Treppenhaus zu öffnen. Sie war noch verschlossen.  Er schrie völlig hysterisch: „Es brennt, es brennt…“ Sein Bruder Ralph saß im Zimmer auf dem Fußboden, sah mich an und sagte immer wieder: „Stephen hat eine Kugel genommen, Stephen hat eine Kugel genommen…“  Froh darüber, dass meinen Kindern nichts passiert war, nahm ich Stephen in den Arm und beruhigte ihn.  Es brannte nicht, roch nur merkwürdig und ich sah aus der Heizung schmutziges Wasser laufen. Da sah ich auf dem Boden die Winchester liegen. Nun war mir klar, was Ralph mit „Kugel“ gemeint hatte. Aus der Küche holte ich einen Topf und stellte ihn unter das Loch in der Heizung. Danach setzte ich mich mit meinen Kindern auf den Boden. Wir kuschelten uns aneinander und ich war, trotz des Schocks den wir zu verarbeiten hatten, erleichtert und dankbar.

Es wunderte mich, dass niemand bei uns klingelte. Der Schuss musste weithin zu hören gewesen sein. Ich rief unseren Hausbesitzer an, mit dem wir ein gutes Verhältnis hatten, und schilderte die Situation. Auch er war froh darüber, dass nur der Heizkörper beschädigt war, den man problemlos austauschen konnte.

Mannschaft
Alte Herren.
Die Trikots waren eine Spende von Willis Freund Peter.

Kaum hatte ich aufgelegt, läutete das Telefon. Aha, dachte ich, jetzt geht´s los. Alle wollen wissen, was passiert ist und werden mich fragen, wie so etwas geschehen konnte. Die Nachbarn werden mich beschimpfen und mir sagen, wie leichtsinnig es ist, eine Waffe im Haus aufzubewahren.  
Es war Willi, dessen Anruf ich um diese Zeit nicht erwartet hätte.  Nach einer kurzen Begrüßung kam er gleich zum Anlass seines frühen Anrufs:
„Sag mal, ist mit den Kindern alles in Ordnung?“ 
„Ja“, antwortete ich, „die sitzen hier und spielen. Warum fragst Du?“ „Ach“, meinte Willi, „ich hatte heute Nacht einen schrecklichen Traum. Es war wie…ja - wie Krieg. Es wurde geschossen und die Kinder waren mittendrin. Ich wachte auf und konnte nicht mehr schlafen!“

Willi konnte von dem Vorfall in unserer Wohnung nichts wissen. Nach einigen Sekunden des Schweigens erzählte ich ihm von Stephens Ausflug in den Wilden Westen. Willi war geschockt. Er fragte, ob er nach Hause kommen solle. Ich verneinte. Es war ja alles in Ordnung…
Als ich meinen fünfjährigen Stephen fragte, woher er wissen konnte, wie man eine solche Waffe zu laden hatte, erklärte er mir: „Das hab´ ich bei Bonanza gesehen!“ Ich erinnerte mich daran, dass Willi kürzlich mit den Kindern auf der Couch saß und diese Sendung, die sonntags nachmittags im Fernsehen gezeigt wurde, ansah.  Es war wohl ein Fehler. Wir versprachen uns, in Zukunft besser aufzupassen und die Kinder nicht zu unterschätzen.

Brief
Bild klicken zum Lesen. Brief von Herrn Bernhardt, 26.7.1973.

Im Juni unterrichtete Kurt Bernhardt KHS und WiVo davon, dass der Verlag eine neue Perry Rhodan Weltraumkarte herausbringen möchte. Die erste Karte enthalte verschiedene Fehler und dies möchte man bei einer Neuauflage vermeiden.
Für die nächste Autorenkonferenz machte sich Willi Gedanken über die Weiterentwicklung der PERRY RHODAN-Serie und fertigte ein Exposé an.

Im Sommer des Jahres 1973 machte Willi noch einmal eine kurze Reise mit der Fußballmannschaft der Rosenhöhe. Diesmal ging es nach Prag. Auch unser Freund Siegfried nahm an dieser Busreise teil. Die gemeinsamen Erlebnisse schildert er in einem Bericht für diese Biografie.

Ein Bericht von Siegfried Riebow

Für unseren Sommerurlaub wollten wir noch einmal einen Trip nach Griechenland wagen. Etwas näher zur Stadt wollten wir wohnen, und nicht mehr so fernab von fast allem. Über das uns inzwischen gut bekannte Reisebüro in Thessaloniki buchten wir eine Wohnung am westlichen Strand von der Halbinsel Khalkidhiki.
Nach zwei Tagen Fahrt kamen wir abends in Saloniki an, holten den Schlüssel für die gemietete Wohnung im Reisebüro ab, aßen zu Abend und freuten uns, dass wir unser Ziel bald erreicht haben werden. Wir waren noch in der Stadt, als ich am Armaturenbrett ein rotes Lämpchen aufleuchten sah. „Nicht schon wieder“, stöhnte mein völlig übermüdeter William, fuhr an den Straßenrand und kroch unters Auto. Der Keilriemen war gerissen. „Wo soll ich jetzt einen Keilriemen herbekommen?“ Willi erinnerte sich daran gelesen zu haben, dass man kaputte Keilriemen im Notfall durch einen Nylonstrumpf ersetzen könnte. „Hast Du Strümpfe dabei?“ fragte er mich. Ich hatte nichts dabei, was er hätte benutzen können. Außerdem glaubte ich auch nicht, dass Willi die Reparatur selbst hätte vornehmen können. Wir riefen ein Taxi und luden die wichtigsten Sachen um. In der Hoffnung, unser Auto am nächsten Morgen noch vorzufinden, ließen wir uns in das kleine Hotel fahren, das wir schon bestens kannten. Auch der Wirt erinnerte sich an uns und gab uns das selbe Zimmer wie im Jahr zuvor. Wir sagten ihm, wo unser Auto steht. Am nächsten Morgen rief er eine Werkstatt an und sorgte dafür, dass wir unsere Fahrt fortsetzen konnten.         

Das Apartment war, obwohl doppelt so teuer wie das Häuschen vom letzten Urlaub, sehr einfach eingerichtet und nicht sehr wohnlich. Es befand sich im zweiten Stock des dreistöckigen Hauses und hatte einen kleinen Balkon. Wenn wir nach Norden blickten, konnten wir die Großstadt Saloniki sehen. Der Nachteil der Stadtnähe wurde uns bald bewusst. Achtlos ins Wasser geworfener Unrat wurde an den Strand gespült, und offensichtlich führte die Kanalisation nur ein Stück weit von der Bucht ins Meer hinaus. Wir hatten trotzdem eine gute Zeit am Strand und bei Ausflügen, die wir in die nähere Umgebung machten. Willis Reise-Schreibmaschine kam auch in diesem Urlaub zum Einsatz.
Die Heimreise verlief ohne Komplikationen. Wir übernachteten wieder im nördlichen Jugoslawien und waren erleichtert, als wir endlich zu Hause ankamen. Für unseren nächsten Urlaub nahmen wir uns vor, einen Ort zu wählen, der nicht mehr so weit entfernt lag.

Nach Band Nr. 15 „Das Tal der Drachen“ für die DRAGON-Serie schrieb Willi im Jahr 1973 noch Nr. 25 „Herr der Kristalle“.                                            
Für die PERRY RHODAN-Serie schrieb er die Romane:
Nr. 614 „Flugziel Andromeda“ (Die kranken Maahks)
Nr. 615 „Gefahr für Andromeda“ (Bahnhof der Verzweiflung)
Nr. 623 „Markt der Gehirne“ 
Nr. 628 „Der Ceynach-Jäger“
Nr. 635 „Das steinerne Gehirn“  
Nr. 640 „Das verrückte Gehirn“ (Das Mordsystem)
Nr. 646 „Kontakte mit der Ewigkeit“ (Wiedersehen in Karthun)
Nr. 650 „Der Bund der Sieben“ (Der Fall Harmonie)
Nr. 655 „Der letzte Magier“ (Der letzte Zauberer)

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