Award
Über William Voltz
Biografie - Teil 21

Kurz vor Jahresende, am 7. 12. 1970, fand im Hause Scheer eine Besprechung statt. Neben dem Ehepaar Scheer waren Willi Voltz, Kurt Bernhardt und Willi Hauck, der damalige Herstellungsleiter,  anwesend. Das Thema war der Terminengpass bei der PERRY RHODAN- und der ATLAN-Serie, der bedrohliche Ausmaße angenommen hatte.
Es wurde festgelegt, dass KHS in Zusammenarbeit mit WiVo innerhalb von einer Woche die Exposés Nr. 496 bis 499 für die PERRY RHODAN-Serie zu erstellen hatte.
 
Eine weitere Besprechung wurde anberaumt, an der außer Scheer und Voltz der Autor Hans Kneifel teilnehmen sollte. Thema war der Band Nr. 500, den KHS sofort nach Fertigstellung des Exposés zu schreiben hatte.
Gleichzeitig wurde festgelegt, dass Voltz und Kneifel in Offenbach die Exposés für die Bände Nr. 501-504 bis spätestens 23.12.  zu erarbeiten hatten. Sofort nach Weihnachten  wurden wiederum in Offenbach  die nächsten vier Exposés geschrieben.
Alle Exposés gehen bei Scheer durch die Endkontrolle und werden von Frau Scheer niedergeschrieben, war die Anordnung laut Protokoll.

Zum Zwecke der Zusammenarbeit wurde für Hans Kneifel in Offenbach ein Hotelzimmer gemietet. Willi bestellte dieses Zimmer in einem alten und bekannten Hotel  in der Offenbacher Innenstadt, das nicht sehr weit von unserer Wohnung entfernt war. Hans Kneifel konnte in ein paar Minuten bei uns sein, um den Tag mit Willi beim Arbeiten zu verbringen.

Die Wahl des Hotels war offensichtlich nicht die Beste – Hans erzählt noch heute von den Küchenschaben, die ihm in den Kaffee gefallen waren…
In dem William Voltz Gedächtnisband schildert Kans Kneifel diese Tage in Offenbach mit den Worten:
“Ich erinnere mich natürlich ebenso intensiv an die Tage, an denen wir zusammen jene Exposés erarbeiteten, von deren Fertigstellung seinerzeit so viel abhing; trotz oder wegen der Schufterei in jenem unüberbietbar bizarren Hotel, das es heute nicht mehr gibt, hatten wir eine Menge gemeinsamer Fröhlichkeit, die echt und hilfreich war."

Meine Aufgabe an diesen Tagen war es, die beiden Autoren mit Ess- und Trinkbarem zu versorgen und außerdem unsere “Stereoanlage”, wie Hans unsere Kinder gerne genannt hatte, fern zu halten.

Nach der Fertigstellung der Exposés wurden diese nach Friedrichsdorf gebracht, wo sie Heidrun Scheer, nach der Absegnung von KHS, wie immer abschrieb, versehen mit dem Namen des Autors, Abgabetermin und allen notwendigen Informationen.

Mit diesem kleinen Vorsprung, den sich das Team, und als solches sollte man es immer sehen, erarbeitet hatte, gingen Verlag und Autoren etwas beruhigter ins Jahr 1971.

Willi und Kinder im Schnee.

Den Jahreswechsel 70/71 feierten wir auf der Geishöh’. Die 500 Meter hoch liegende Geishöh’ befindet sich im Spessart. In den Wintermonaten war dieser Platz ein Garant für Schnee. Kennengelernt hatten wir diese familiär geführte Pension anlässlich eines Kegelausflugs im November 1967. Unsere Kegelfreunde Winfried (genannt Jackel) und Lydia verbrachten hier mit ihren Töchtern oft ihre freie Zeit. Damals waren die Zimmer noch einfach. Als Waschgelegenheit stand im Zimmer nur ein Waschbecken zur Verfügung. Ein Bad gab es auf der Etage, das man auf Nachfrage benutzen konnte. Wir fühlten uns dort wohl, zumal die Wirtin dafür sorgte, dass die Verpflegung gut war. Das Fleisch kam aus dem eigenen Stall, der an das Haus angrenzte. Für Kinder war es ein Paradies.
Es sollte nicht unser letzter Kurzurlaub auf der Geishöh’ sein.

Gleich zu Beginn des neuen Jahres erschien das erste PERRY RHODAN-Lexikon.
Es war eine überarbeitete und erweiterte Zusammenfassung aller bisher erschienenen Lexikon-Beiträge. Ursprünglich sollte es Scheers Aufgabe sein, dieses Buch zu erstellen. Völlig überfordert übergab er die Verantwortung an seine Frau, die in Zusammenarbeit mit H.G. Ewers das erste Rhodansche Nachschlagewerk verfasste.

Am 11.2.1971 ließ Kurt Bernhardt ein Schreiben an alle Perry Rhodan-Autoren
verschicken. Der Brief begann mit den Worten:

Anliegend erhalten Sie ein Rundschreiben unseres Bevollmächtigten bei der Bundesprüfstelle, Herr Dr. …. Aus diesem Rundschreiben können Sie ersehen, daß ein Herr… (Jugendreferent für politische Bildung) von der Augsburger Volkshochschule die Perry Rhodan-Serie aufgrund eines Artikels in der Zeitschrift …angreift.
Ich kenne diesen Artikel nicht. Natürlich ist diese Zeitschrift sehr links gerichtet. Herr Dr. … hat dieses Rundschreiben und auch den Antwortbrief an Herrn … aus taktischen Gründen vorgenommen, um dem Angriff die Spitze zu nehmen.

Kurt Bernhardt bat die Autoren, das Rundschreiben genau zu lesen und darauf zu achten, dass keinerlei Anhaltspunkte für Kritik dieser Art in der Zukunft gegeben werden.
Bernhardts Besorgnis war verständlich, denn in dem Brief des Jugendreferenten vom 27.1.1971 hieß es u.a.:

Bei der Vorbereitung einer Vortragsreihe über das Welt- und Menschenbild in der Trivialliteratur ist mir aufgefallen, daß die Selbstkontrolle auf die Perry Rhodan-Serie keinen oder zumindest keinen feststellbaren Einfluß gehabt hat. Anders kann ich mir die in dieser Serie enthaltenen Brutalitäten, den hier als Vulgär-Darwinismus getarnten Rassismus und die offene Propaganda für eine in die Zukunft projizierte faschistische Diktatur nicht erklären.

Das hörte sich zweifellos nach harter Kritik an, die durch einen zweiten Brief des Herrn Jugendreferenten vom 4.2.1971 an den Bevollmächtigten des Verlags bei der Bundesprüfstelle noch erhärtet wurde. Dieser hatte inzwischen einige Romane der PERRY RHODAN-Serie gelesen und zitierte aus verschiedenen Passagen. Dass er sich nur jene aussuchte, die man negativ bewerten konnte, verstand sich von selbst.
Am Ende seines Briefes bat er den Verlag um eine Stellungnahme zu der Aussage des Moewig-Verlags in einer Verlagsmitteilung:
“Perry Rhodan ist ein Traum für eine bessere Welt – ein Traum, der Wirklichkeit werden kann”

Eine Stellungnahme gab es dazu vermutlich nicht. Warum auch?

link Top

link Teil 20
link Teil 22