Award
Über William Voltz
Biografie - Teil 20

Nachdem wir Ralph zu unseren Freunden gebracht hatten, starteten wir die Reise nach Spanien. Die Fahrt verlief problemlos, bis auf das letzte, sehr kurvenreiche Stück, das Stephen nicht so gut bekommen war. Es war ein Problem, das sich bei späteren Fahrten wiederholen sollte.

Wir kamen am frühen Morgen in Tossa de Mar an und wurden von der Familie und den Angestellten herzlich begrüsst. Stephen wurde von unseren spanischen Freunden verwöhnt und fühlte sich sofort zu Hause.

Unser „alter” Freund Günter kam mit Freundin Waltraud für einige Tage zu Besuch. Er wollte ihr den Ort zeigen, an dem er vier Jahre zuvor mit uns seinen Urlaub verbracht hatte.
Wir hatten eine schöne Zeit und konnten unseren Urlaub genießen. Wie uns Helga berichtete, ging es auch unserem zu Hause gebliebenen Kind gut.

Kaiser
Ralph mit Helga und Geschwistern.

Der Tag der Abreise kam und wir überlegten, wie wir dafür sorgen könnten, dass Stephen die kurvenreiche Strecke besser überstehen würde. “Wir geben ihm am besten morgens nichts zu essen. Dann wird es dem Kind sicher nicht so übel”, war Willis Rat. Gut gemeint und falsch gedacht - wie wir später besser wussten. Die Heimfahrt wurde zum Fiasko. Erst die letzten Stunden der Reise, als wir bereits wieder auf deutschem Boden waren, fühlte sich Stephen besser. Unser Weg führte uns direkt zu unseren Freunden. Ralph war zwar schon im Bett, ich wollte aber wenigstens nach ihm sehen. Vorsichtig ging ich ins Schlafzimmer und stellte fest, dass er noch wach war. Ich ging zu ihm und hoffte auf ein freudiges Lächeln zur Begrüßung. Ralph sah mich nur wortlos an und reagierte auf nichts, was ich ihm erzählte. Mein schlechtes Gewissen wurde durch sein Verhalten nicht geringer. Ich hoffte auf den nächsten Tag. Helga hatte für uns gekocht. Wir erzählten von Stephens Problem und sagten ihr, dass er wohl nichts essen könne. Weit gefehlt - Stephen aß mit großem Appetit ein Rumpsteak, Pommes frites und Blumenkohl, den er eigentlich nicht mochte.

Am nächsten Morgen wurde Ralph von meiner Freundin zu uns zurück gebracht. Er trug einen neuen Regenmantel mit Hut und setzte sich stolz auf sein Dreirad, das ihm die Pflegeeltern gekauft hatten.
Als wir uns verabschiedeten, lief Ralph mit seinen noch etwas unsicheren Schritten - er hatte die ersten Schritte bei unseren Freunden gemacht - auf Helga zu und umarmte sie, so, als wolle er ihr danken für die schöne Zeit in ihrem Haus. Dies war zwar ein Zeichen dafür, dass sich unser Kind wohlgefühlt hatte bei unseren Freunden, ich wusste aber auch, dass ich eine solche Entscheidung nicht mehr treffen würde.
Willi sah das nicht ganz so gefühlsbetont und war der Überzeugung, dass diese drei Wochen Ralph nicht geschadet hätten.

Brief
Willis Vorschläge an K. Bernhardt.

Gleich nach unserer Rückkehr aus dem Urlaub startete Willi die Arbeit für Perry Rhodan. Die Vorbereitungen für den Jubiläumsband Nr.500 hatten bereits vor Monaten begonnen.
Willi korrespondierte und telefonierte mit Kurt Bernhardt über Ideen, die diesen Anlass zu einem “Highlight” werden lassen sollten. Auch die Leser wurden befragt und es kamen zahlreiche Anregungen. Nachdem Willi schon im Juni und Juli Briefe mit Vorschlägen an den Verlag geschickt hatte, schrieb er am 21.10.1970 eine überarbeitete Zusammenfassung, die mit der Unterstützung der Leser zustande gekommen war, und schickte sie an den Cheflektor. Willi legte großen Wert auf die Mitarbeit der Leser, denn sie waren es, die zufrieden gestellt werden sollten. Gute Ideen, aber auch berechtigte Kritiken, kamen von den Lesern immer wieder und immer häufiger. Sie waren ständig Anlaß für Diskussionen zwischen Verlag und Autoren, wie viele Briefe heute noch dokumentieren.

Auch G.M.Schelwokat hatte seinen alljährlichen Urlaub im Bayerischen Wald beendet und beteiligte sich an den Diskussionen zu Band Nr. 500.

Das Erreichen von Band Nr. 500 war zweifellos ein Erfolg, den zu Beginn der Serie keiner der Beteiligten auch nur hätte erahnen können. Der Autor für diesen Jubiläumsband sollte KHS sein, der mit Band Nr. 450 „ Aufbruch der Marco Polo” seinen bisher letzten Roman geschrieben hatte. Die Terminschwierigkeiten des Chefautors bereiteten Kurt Bernhardt und GMS große Probleme, von denen auch Willi nicht ausgenommen war. Kurt Bernhardt hatte Willi die Verantwortung für die termingerechte Ablieferung der Exposés übertragen. „Voltz, Sie müssen dafür sorgen, dass der Scheer die Exposés pünktlich abliefert!” Wie sich herausstellte, war dies eine schwierige und unlösbar werdende Aufgabe. Die regelmäßigen Treffen und Willis Mitarbeit an der Exposéarbeit konnten das Problem alleine nicht lösen. Heidrun Scheer, die Herbert in bewundernswerter Weise unterstützte, arbeitete sehr viel, aber auch ihr waren Grenzen gesetzt.

Schelwokat
GMS mit Frau Gisa im Urlaub 1970.

Der PERRY RHODAN Roman Nr. 500, der mit dem Titel „Sie kamen aus dem Nichts.” im Jahr 1971 erscheinen sollte, wurde von K.H. Scheer ausreichend pünktlich abgeliefert. Es sollte für lange Zeit sein letzter Romanbeitrag für die Rhodan-Serie sein.

Am 12.August 1970 schrieb Kurt Bernhardt an Willi einen Brief, in dem er ihn darüber informierte, dass die Vertragsverhandlungen mit dem japanischen Verlag betreffs der PERRY RHODAN-Serie kurz vor dem Abschluss stehen. „Ich muss Sie jedoch darüber informieren, dass wir an die Agentur, in diesem Fall Herr …, eine Provision von ..% bezahlen müssen. K. Bernhardt beendete seinen Brief mit den Worten: „Ich nehme an, dass Sie mit der Arbeit, die ich und Herr … in dieser Sache geleistet haben, zufrieden sind.” Japan druckt heute noch und es gab kaum Grund zur Klage.

In einem kurzen Schreiben vom 11.Dezember 1970 teilte der Cheflektor Willi mit: „ …wir haben von Ihrem Perry Rhodan-Taschenbuch Nr.9 „Invasion der Puppen” eine 2.Auflage in Höhe von …veranstaltet. Den Betrag von…überweisen wir Ihnen in den nächsten Tagen." Wir freuten uns über das zusätzliche Weihnachtsgeld. Wie seit einigen Jahren üblich, kam auch zu diesem Weihnachtsfest ein „Überraschungspaket” vom Verlag. In dem Paket befand sich eine überdimensionale Flasche Johnnie Walker, die sorgfältig verpackt war. Wie das Etikett uns bestätigte, waren es genau drei Liter braune Flüssigkeit, die diese Flasche füllten. „Ihr Autoren müsst ja einen guten Ruf haben!”, sagte ich zu Willi.
Eine Whiskyflasche mit diesen Ausmaßen hatten wir jedenfalls beide noch nie gesehen. Stolz stellten wir sie, für jeden Gast sichtbar, auf unsere Regalwand, gleich neben eine kleine, eingebaute Sitzgelegenheit. Die Flasche war noch nicht einmal geöffnet, als sie ein paar Wochen später von einer Bekannten begeistert in den Arm genommen wurde. Bei dem Versuch, das gute und schwere Stück wieder hinzustellen, rutschte es ab und zerbrach auf unserem Wohnzimmerboden. Wir verbrachten einen großen Teil des Abends damit, die wertvolle, unbrauchbar gewordene Flüssigkeit wieder aufzuwischen. Willis Vorschlag, dass wir uns alle mit Strohhalmen bewaffnet auf den Boden legen sollten, um diesen teuren Whiskey aufzusaugen, lehnten wir ab. Unser Teppich hatte diese Aufgabe gierig übernommen. Es dauerte Wochen bis der Schnapsgeruch wieder aus unserer kleinen Wohnung verflogen war.

link Top

link Teil 19
link Teil 21