Award
Über William Voltz
Biografie - Teil 2

STELLARIS Clubtreffen (Willi Bildmitte, links K.H.Scheer und H. Bingenheimer).

Der engagierte SF-Freund wurde Mitglied im SFCD (Mitglied Nr.241). Später war er Mitbegründer der Science-Fiction Interessengemeinschaft STELLARIS. Willi übernahm die Redaktion für das Fanzine. Bei Karl-Herbert Scheer, der ebenfalls Mitglied der SSFI war, wurde das Geschriebene vervielfältigt und versandt.

Nach Beendigung der Lehrzeit kam die Aufforderung, dass Willi sich zur Musterung begeben müsse. Das Ergebnis war "Tauglichkeitsgrad 4", was gleichbedeutend war mit "untauglich". Sein falsch zusammen gewachsener Fuß war ein Grund. Farbenblindheit, von der er bisher nichts bemerkt hatte, ein weiterer. Unabhängig davon begab sich Willi in den erforderlichen Prozess der Kriegsdienstverweigerung. Er war überzeugter Pazifist und lehnte den Dienst mit der Waffe aus ethischen Gründen ab. Sein Patenonkel Willi trat als Zeuge für ihn auf. Nach langwierigen Befragungen und Verhandlungen war der Kriegsdienstgegner ein anerkannter Kriegsdienstverweigerer.

Utopia-Leser Willi mit Stiefmutter, ca. 1957.

Willi blieb nach seiner Lehrzeit noch für weitere neuneinhalb Jahre bei der Maschinenfabrik Hartmann. Den Beruf des Stahlbauschlossers übte er jedoch nicht lange aus. Er wurde Vorzeichner (Anreißer). Diese Arbeit lag ihm besser und machte auch mehr Spaß. Da er die anfallenden Arbeiten schnell erledigte, hatte er viel "Freizeit". Wenn kein Kranführer zur Verfügung stand, war Willi auch für diese Arbeit zu haben. Damit nicht ausgelastet, schrieb er manche Kurzgeschichte in luftiger Höhe in der Kabine des Krans. Da er eine Ausbildung als Sanitäter absolviert hatte, konnte und musste er gelegentlich auch auf diesem Posten zur Verfügung stehen. Zufrieden stellte ihn diese Arbeit nicht und er setzte sich das Ziel, irgendwann die Fabrik zu verlassen, um einem anderen Beruf nachgehen zu können. Dass er einmal den Beruf des Schriftstellers ausüben würde, ahnte er damals noch nicht.

Willis kleines Zimmer in der Bleichstrasse, Offenbach. Hier schrieb er seine ersten Perry Rhodan-Romane.

Ende des Jahres 1959 wechselte Vater Voltz, der im Jahr 1954 wieder geheiratet hatte, den Arbeitgeber. Er arbeitete nun für die Firma Sanitärgroßhandel Sebold aus Aschaffenburg, die ein Zweiggeschäft in der Offenbacher Bleichstraße eröffnet hatte. Genau gegenüber war das Haus, in dem meine Familie im Jahr 1952 eine 5-Zimmer Wohnung im Parterre bezogen hatte. So kam es, dass wir uns kennen lernten. Der große und dünne junge Mann, den ich jünger schätzte als er war, gefiel mir, und ich ihm offensichtlich auch. Eines Tages lag ein Zettel auf meiner Fensterbank: Samstag 12:00 Uhr Hauptbahnhof, BITTE!
Damals besuchte ich auf Wunsch meiner sehr katholischen und konservativen Großmutter die Marienschule der Ursulinen. Meine Mutter war geschieden und berufstätig, so dass meine Erziehung sehr von meiner Oma geprägt wurde.
Willi musste sich in Geduld üben, da ich jünger war als er annahm. Für diese Geduld bin ich ihm heute noch dankbar.

Es entwickelte sich eine Freundschaft -- und ein gutes Verhältnis zwischen den beiden Familien.

Willi erzählte mir bald von seinen ersten "Gehversuchen" als Schriftsteller. Er gab mir seine Kurzgeschichten zu lesen, ebenso sein bis dahin erstes und einziges Buch "Der Sternenkämpfer", das als Sonderausgabe bei der Buchgemeinschaft Transgalaxis erschienen war. Der Gründer dieser Buchgemeinschaft war Heinz Bingenheimer, der ebenfalls Mitglied im Science-Fiction Club STELLARIS war. H. Bings, wie er sich als Verfasser von Kurzgeschichten nannte, war nicht nur Willis Freund, sondern auch sein Agent. Im Jahr 1957 erschien die Kurzgeschichten Sammlung "Lockende Zukunft", die von Heinrich Bingenheimer herausgegeben wurde. Es waren einige von Willis Kurzgeschichten dabei.

Kurzgeschichte: DER ZEHNTE PLANET

An einem Sonntag im Sommer 1961 nahm mich Willi zu einem STELLARIS-Clubtreffen nach Frankfurt mit. Dort lernte ich Karl Herbert und Heidrun Scheer kennen. KHS begrüßte mich, den schüchternen Teenager, mit einem Handkuss. Ich muss gestehen, dass ich mich an diesem Nachmittag nicht sehr wohl und etwas fehl am Platz fühlte.

STELLARIS Fahrt zum Con, ca. 1959.

Anfang des Jahres 1962 fragte KHS Willi, ob er nicht Lust dazu hätte, bei der Perry Rhodan-Serie mitzuwirken. Diese neue SF-Serie kam bei den Lesern besser an als erwartet und es wurden Autoren gesucht.
Willi war, wie konnte es auch anders sein, nicht abgeneigt.
Karl Herbert und Willi trafen sich in Friedrichsdorf, um das Thema für Willis ersten Perry Rhodan-Roman zu besprechen. Die Handlung musste in sich abgeschlossen werden. Falls Willis Roman nicht den Anforderungen entsprechen und der Verlag das Manuskript ablehnen würde, durfte sich dies nicht nachteilig auf die Perry Rhodan-Serie auswirken.

Willi machte sich an die Arbeit. Er las alle bisher erschienenen Perry Rhodan-Romane und die Exposés, um dann den Roman zu schreiben, der später als Nr.74 erscheinen sollte. Bis dahin war es jedoch noch ein weiter Weg. Die erste Fassung brachte Willi zu KHS, der nach Überprüfung des Manuskripts einige Änderungen und Korrekturen vornahm. Willi schrieb alles noch einmal. Daraufhin wurde das Manuskript an Günter M.Schelwokat gesandt. Dass ein junger Neu-Autor nicht ungeschoren an der Kritik des großen SF-Meisters vorbei kam, war jedem klar. Willi hörte sich die Kritik an, akzeptierte die Änderungsvorschläge, die nicht unbedingt freundlich hervorgebracht wurden, und machte sich erneut an die Arbeit.

Das Exposé zu Band Nr.74 wurde nachträglich geschrieben. KHS schrieb darin:
Hinweise:
Bei dem vorliegenden Roman handelt es sich um jenen Rhodan-Band, der von Willi Voltz anhand eines Separatexposés probehalber geschrieben wurde.
Der Roman ist qualitativ gut, weshalb er auch vom Verlag angenommen wurde.

Das sog. Separatexposé gibt es nicht. Willi schrieb den Roman anhand der Notizen, die während der Besprechungen gemacht wurden.

Winfried Shols überreicht "Besten Fan-Autor-Preis"
an Willi. 3. Juni, 1961.

Am 16.10.1962 unterschrieb Kurt Bernhardt vom Moewig Verlag Willis ersten Vertrag für den Roman "Der falsche Mann", der als Nr. 74 und mit dem geänderten Titel "Das Grauen" in der Perry Rhodan-Serie erscheinen sollte.

Der Anfang war gemacht.

Da gab es aber auch noch den Agentur-Vertrag, den Willi bei Heinz Bingenheimer unterschrieben hatte und der ihn verpflichtete. Willi fuhr zu seinem Freund nach Friedrichsdorf, um ihm zu erzählen, dass er bei der Perry Rhodan-Serie als Autor eingestiegen sei.
Heinz Bingenheimer freute sich sehr über Willis Erfolg. Er holte den Vertrag aus den Akten und zerriss ihn mit den Worten: "Willi, ich gratuliere Dir und wünsche Dir viel Erfolg!"

Top

Teil 1
Teil 3