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Über William Voltz
Biografie - Teil 19

Kurt Bernhardt startete das neue PERRY RHODAN-Jahr gleich mit einer Einladung zur
Autorenbesprechung in München. Am 9.1.1970 schrieb er den Autoren, dass der Anreisetag Donnerstag, der 29.1.1970 sei und die Besprechung am darauf folgenden Tag stattfinden werde. Wünsche bezüglich des Hotels sollten bekannt gegeben werden.

Terminpläne

Terminpläne. Bild klicken zum Lesen.

Das schon zur Tradition gewordene „gemütliche Beisammensein“ am Abend vor der Besprechung fand auch diesmal statt. Es begann wie immer mit einem guten Abendessen und endete sehr spät in der Bar. Ich bin sicher, dass die PERRY RHODAN-Autoren manchen Barkeeper zur Verzweiflung gebracht haben, weil sie einfach nicht in ihre Betten gehen wollten. Einige Schmerztabletten waren nötig, um die Köpfe für die Besprechung wieder klar zu bekommen. Pünktlich zum vereinbarten Termin waren jedoch alle anwesend, auch Kurt Bernhardt und G.M. Schelwokat, die sich nie eine der vorabendlichen Besprechungen hatten entgehen lassen.

Da es mit der Einhaltung der Termine immer wieder Probleme gab, wurden vom Verlag Terminpläne für die PERRY RHODAN- und die ATLAN-Serie erstellt.
Die Exposé-Redaktion und die Autoren waren mit mehr oder weniger Erfolg bemüht, die Termine einzuhalten.

Beim Treffen in München sprach Kurt Bernhardt Willi auf die Leserbriefe an. Willi antwortete in einem Schreiben vom 2.2.1970 auf die Ideen Kurt Bernhardts und unterbreitete ihm die Gedanken, die er sich über dieses Thema gemacht hatte.

Am 13.2.70 schrieb Kurt Bernhardt, dass er Willi einen Vorrat an Briefen zukommen lassen werde.

Terminpläne

Brief vom 2.2.1970. Bild klicken zum Lesen.

Willi übernahm zukünftig nicht nur die Beantwortung der Leserbriefe, sondern auch die Bearbeitung der Leser-Kontaktseite, die seither von einem Verlagsmitarbeiter zusammengestellt worden war.

Am 25.3.1970 schrieb der Cheflektor des Moewig-Verlags:
…wir mussten ab Band 451 den Verkaufspreis der Perry Rhodan Hefte von 0,90 DM auf 1,--DM erhöhen. Der Grund hierfür sind die im letzten Jahr erhöhten Druck- und Personalkosten.
Der erhöhte Verkaufspreis veranlasst uns, die Honorare wie folgt zu erhöhen:

Das Honorar wurde für die erste und die zweite Auflage um jeweils 50,-- DM erhöht.

Zum Ende seines Briefes schrieb Bernhardt:
Wir freuen uns, Ihnen diese Mitteilung machen zu können und hoffen, dass die einzelnen Auflagen nicht reduziert werden müssen, denn dann könnten wir die augenblicklichen Honorare in dieser Höhe nicht mehr zahlen.

Es war ein typischer „Bernhardt-Psychotrick“, der die Autoren daran erinnern sollte, gute Leistungen zu bringen.

Klein

Apfelwein Wirtschaft Klein.

Zu unseren Freizeit-Vergnügungen gehörte nach wie vor das sonntägliche Kegeln. Es bereitete uns viel Spaß und wir freuten uns auf jeden Sonntag, den wir mit unserer Kegelgruppe verbringen konnten. Die Stimmung war immer gut, manchmal etwas ausgelassen. Einer dieser Sonntage blieb Willi in schlechter Erinnerung. Er war mit seinem Freund Walter in einem Team und machte sich bereit, die Kunststoffkugel in Richtung Kegel abzuwerfen. Es sind diese Momente, für die man anschließend keine Erklärung mehr hat. Anstatt die Kugel gleich nach vorne zu werfen, warf er sie vor sich auf den Boden und wollte sie auffangen – wie einen Ball. Er unterschätzte die Geschwindigkeit, mit der die Kugel zurückkam. Mit großer Wucht schlug sie Willi ins Gesicht. Geschockt lief er nach draußen.
Unsere Gedanken reichten von Nasenbeinbruch bis zu verlorenen Zähnen. Nach ein paar Minuten des Schreckens stand ich auf, um nach Willi zu sehen. Er kam gerade aus dem Toilettenraum heraus. Seine Lippen waren stark angeschwollen und er sagte: “Ich habe mir ein Stück von meinem Zahn abgebrochen! Aber es geht schon wieder.“ Willi muss starke Schmerzen gehabt haben; er ließ es sich jedoch nicht anmerken. Wir kegelten weiter. Willi musste sich einige Bemerkungen seiner Kegelbrüder gefallen lassen - wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.
Trotz Willis Unfall endete der Abend gemütlich – bei ein paar Bierchen mehr - in unserem Kegellokal, der Apfelwein-Wirtschaft Klein.

Terminpläne

Brief vom 16.6.1970. Bild klicken zum Lesen.

Willi ging am nächsten Tag zum Zahnarzt. Fritz Rheinheimer, unser Zahnarzt, war ein Freund meiner Familie. „Was hast du denn gemacht?“ fragte er Willi, als er dessen geschwollene Lippe sah. „Gekegelt – nur in die falsche Richtung“, antwortete Willi. Er erzählte seine Geschichte und Fritz untersuchte den angerichteten Schaden. „Gott sei Dank hast du schlecht gekegelt“, meinte Fritz, „du hast nur einen getroffen!“ Willi ließ sich den abgebrochenen Zahn abschleifen, so dass sein rechter Schneidezahn von da an etwas kürzer war. Zu der damaligen Zeit konnte man kleine Reparaturen wie diese noch nicht besser bearbeiten. Leider wurde der Zahn im Laufe der Zeit dunkler. Der Schaden war wohl doch größer als vermutet.

Die Zusammenarbeit zwischen Kurt Bernhardt und Willi wurde immer intensiver. Willis kleines Büro in unserer Offenbacher Wohnung war zur „ Leitstelle“ zwischen Verlag und Autoren geworden. Wenn der Cheflektor ein Problem sah, auf das er meistens durch Leserbriefe aufmerksam gemacht wurde, rief er Willi an oder schickte Briefe, in denen er seine Sorge um die PERRY RHODAN-Serie zum Ausdruck brachte.

„Die PERRY RHODAN-Serie soll zur Zeit mit Wiederholungen gefüllt sein, so dass sie recht langweilig wird“, schrieb er am 1.7.70. Dieses Urteil stamme von einem Kunden, der die Serie verkauft und sie ständig liest. Seine Kunden seien aber der gleichen Meinung.
Nachdem Bernhardt erst einmal die Peitsche ausgepackt hatte, holte er dann das Zuckerbrot hervor. Zum Ende seines Briefes schrieb er: „Selbstverständlich nehme ich diese Kritik für nicht so wichtig, weil dem gegenüber Leserzuschriften täglich eintreffen, die nach wie vor von PERRY RHODAN begeistert sind.“
Die Autoren wussten, dass der für sie wichtigste Mann im Verlag jeden Leserbrief ernst nahm. Das zeigten seine Reaktionen auf die manchmal kurzen, oft aber auch seitenlangen Kritiken der RHODAN Fans. Er las sie alle!

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Brief vom 6.7.1970. Bild klicken zum Lesen.

Wie Willis Briefe vom 16.6.70 und vom 6.7.70 zeigen, wurde er von Kurt Bernhardt auch in die organisatorische Arbeit rund um PERRY RHODAN immer mehr einbezogen.

Das Comic-Team des Moewig-Verlags meldete sich nach wie vor regelmäßig bei Willi und bat ihn um Rat und Tat. Hier zwei Beispiele dieser Zusammenarbeit. (Briefe vom 14.1.1970 und Willis Antwort vom 25.3.70)

Bei all diesen „Nebenarbeiten“ vergaß der Autor William Voltz nicht, dass eine seiner Aufgaben das Schreiben von Romanen war. Im Jahr 1970 schrieb er die PERRY RHODAN-Romane:

Nr.447 „Der Terraner und der Gläserne“ (Der Mensch und der Gläserne)
Nr.452 „Planet der Pazifisten“ (Der Friedensdiktator)
Nr.455 „Auf der Arenawelt“ (Im Zentrum von Gruelfin)
Nr.456 „Der Schaukampf“ (Takvorians Falle)
Nr.463 „Die Spione von Siga“ (Die phantastischen Sechs)
Nr.464 „Der falsche Ganjo“
Nr.471 „Der letzte Test“ (Der Alte von First Love)
Nr.475 „Der große Vasall“ (Der Sammler)
Nr.480 „Der Dieb von Gruelfin“ (Der Aggregatedieb)
Nr.481 „Die Clique der Verräter“ (Die Pedofalle)
Nr.484 „Das Ende der Odikon“ (Die Perdaschisten)
Nr.486 „Zwischen Weltraum und Untergrund“ (In der Arrivazone)
Nr.487 „Ich, der Ganjo“ (Die Urmutter)
Nr.492 „Das stählerne Gefängnis“ (Das Stahlgefängnis)

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Brief vom 14.1.1970. Bild klicken zum Lesen.

Zeitmangel war die Ursache dafür, dass Willi im Jahr 1970 nicht mehr als zwei ATLAN-Romane schreiben konnte. Es waren die Romane „Agent der Lenkzentrale“ (Zweimal stirbt man schneller), der als Band Nr.12 erschien und mit der Nr.16 „Siganesen sieht man nicht“ (Der unheimliche Fremde).

An einem Abend, den wir bei unseren Freunden Walter und Helga verbrachten, fragten sie nach unseren Urlaubsplänen. „Wir haben keine“, sagten wir, “die Kinder sind noch zu klein.“
Die beiden, die ihren Jahresurlaub bereits im Mai in Italien verbracht hatten, machten den Vorschlag, dass wir mit Stephen in Urlaub fahren sollten und sie würden sich um Ralph kümmern. Wir wussten zwar, dass unser Kind bei unseren Freunden gut aufgehoben sein würde, aber mit dem Gedanken, drei Wochen von ihm getrennt zu sein, konnten wir uns nur schwer vertraut machen.
„Ihr könnt uns vertrauen“, meinte Walter. „Helga ist eine gute Mutter, und uns würde es Freude bereiten, den Kleinen bei uns zu haben.“
Daran zweifelten wir nicht und versprachen, darüber nachzudenken.
Zwei Monate später, Mitte August, fuhren wir mit Stephen für drei Wochen nach Spanien in das familienfreundliche Hotel MACAYA.

Terminpläne

Brief vom 25.3.1970. Bild klicken zum Lesen.

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Klein

Urlaub Spanien, 1970. Willi, 2.v.l.

 

 

 

 

 

 

 

 

Klein

Urlaub Spanien, 1970. Wieder mit Günter, diesmal mit Freundin.

 

 

 

 

 

 

 

 

Klein

Stephen, Urlaub Spanien, 1970.