Award
Über William Voltz
Biografie - Teil 14

Zu unserer kleinen Silvester-Party kamen auch Siegfried und Gerda Riebow. Gerda war eine alte Schulfreundin von Helga, und wir lernten die beiden kennen, als wir gemeinsam bei unseren Freunden Walter und Helga eingeladen waren.

Riebows damals achtjährige Tochter Anke verbrachte die Silvesternacht bei meiner Mutter.

Wir hatten einen angenehmen und gemütlichen Jahreswechsel und hofften alle, dass das neue Jahr uns nur Gutes bringen wird.

Auch für die Perry Rhodan-Serie sollte es positiv weitergehen. Dies war dem Verlag und den Autoren sehr wichtig und jeder versuchte, seinen Anteil zum Erfolg beizutragen.

Dass nicht immer alles reibungslos verlaufen konnte, war verständlich. Die Perry Rhodan-Serie hatte einen Umfang angenommen, den niemand erwartet hätte. Der Wunsch, diesen Erfolg fortzusetzen, war bei Verlag und Autoren groß. Kurt Bernhardt, der Cheflektor des Arthur Moewig Verlags, hatte seine eigene Art, die Autoren zum Erfolg zu treiben. Er konnte laut, aufbrausend und manchmal auch persönlich werden. Je nach Sensibilität des betroffenen Autors reagierte dieser mehr oder weniger empfindlich. Manche Telefongespräche zwischen Willi und Kurt Bernhardt wurden durch das Aufknallen des Hörers beendet. Ein paar Minuten später rief Bernhardt wieder an und die Unterhaltung wurde in ruhigem Ton fortgesetzt. Mich erinnerte der Cheflektor oft an das berühmte Männchen aus der Zigarettenwerbung.

Inzwischen war ein Problem entstanden, das zeitweise einen reibungslosen Arbeitsablauf fast unmöglich machte. Es kam nicht aus dem Verlag und auch nicht von den Autoren. Was jedoch beide an den Rand der Verzweiflung brachte, war die Einführung der Mehrwertsteuer.

Es gab ständig Missverständnisse bei den Abrechnungen, und selbst die Steuerberater waren anfangs überfordert. Die Folge war, dass es gleich zu Beginn des neuen Jahres zu einem regen Briefwechsel zwischen Verlag und Autoren kam.

Am 8.2.1968 schrieb WiVo an den Herstellungsleiter des Moewig-Verlags, Willi Hauck, folgende Zeilen:

Ballade eines ehemaligen SF-Autors
(jetzt Berechner von MwSt.)

Einst schrieb ich Romane, das waren noch Zeiten,
dann tat mir der Staat großen Kummer bereiten.

Doch ich war gefügig und untertan
und schaffte mir neue Bücher an.

Gar eifrig notierte ich Vor- und zahlbare Steuer,
doch dann begann das finanzielle Abenteuer.

Leider war nicht nur der Staat interessiert,
so ist mir inzwischen gar vieles passiert.

Ich schrieb in meine Bücher, schlug fünf Prozent zu,
da ließ mir der Müller vom Verlag keine Ruh.

Der Müller schrieb mir – und ich schrieb zurück,
mein Blut war in Wallung – zornig mein Blick.

Doch weil ich bei der MwSt. noch keine Ahnung hatte,
änderte ich zum ersten Mal meine Kladde.

Dann schrieb mir Herr Bernhardt, war das aber schön,
er wollte fünf Prozent auf den Rechnungen sehn.

Und weil ich einen Gewinn in Aussicht hatte,
änderte ich zum zweiten Mal meine Kladde.

Dann fuhr ich nach München, welch eine Reise,
nur mit den fünf Prozent war es wieder Scheiße.

Denn da sagte Herr Brede: „Ihr gewinnt ja zuviel!“
Und so ging es weiter im munteren Spiel.

Weil Herr Brede eineinhalb Prozent abzuziehen hatte,
änderte ich zum dritten Mal meine Kladde.

Ich wähnte mich in Sicherheit, alles schien zu stimmen,
da begann Herr Brede von neuem zu grimmen.

„Ich brauch eure Belege, schafft sie mir her!
Tragt sie zur Post, ich brauche sie sehr.“

Inzwischen war durch beiderseitiges Grollen,
der MwSt.- Briefwechsel zu einem Manuskript angeschwollen.

Doch weil Herr Brede den längeren Atem hatte,
änderte ich zum vierten Mal meine Kladde.

Ich schickte ihm die Belege, alles schien gut,
da packte meine Teamfreunde die Wut.

Unser Steuerberater auch was zu sagen hatte,
so änderte ich zum fünften Mal meine Kladde.

Doch einen Tag später, Schreck und Graus,
brachte der Briefträger meine Belege zurück ins Haus.

Dabei waren Briefe, Rechnungen usw.,
der Anblick stimmte mich gewiss nicht heiter.

Doch weil ich mich so gewöhnt schon dran hatte,
änderte ich zum sechsten Mal meine Kladde.

Ich hab´ also Arbeit, ich habe zu tun,
kann nicht rasten und kann nicht ruhn.

Auf meinem Schreibtisch türmen sich Briefe, Rechnungen, Belege,
ich antworte, trage ein, ich bin tatsächlich rege.

Nur eines muß halt liegen bleiben,
wann soll ich noch Perry Rhodan schreiben?

Deshalb „Leck´ mich am Arsch, MwSt!“ ich hab es satt,
diese Ballade war wirklich mein letztes MwSt.-Blatt.

An alle, die nicht empfindlich sind,
Herrn Brede bitte auf jeden Fall …

 

Brief von Walter Ernsting.
Bild klicken zum lesen.

Das Schreiben dieser Zeilen half Willi auf jeden Fall, seinen Ärger etwas abzubauen.

Dass er nicht der einzige Perry Rhodan Autor war, der sich am Abgrund der Verzweiflung befand, zeigt ein Brief von Walter Ernsting.

Die schriftstellerische Tätigkeit kam aber trotz dieser unbequemen Begleiterscheinungen nicht zu kurz.

Willi schrieb die Perry Rhodan-Romane Nr. 343 „Planet der tausend Freuden“ und mit der Nummer 347 „Die Sucher von M-87“. Der Vorschlag des Autors für diesen Band war „Die beiden Bestien“.

Unter dem Motto „Einigkeit macht stark“ taten sich die Autoren Scheer, Ernsting, Mahn, Voltz und Gehrmann (Ewers) zu einer Perry Rhodan - Interessengemeinschaft zusammen, der man später den Namen ARBEITSTEAM VANGUARD (ATV) gab.

Die Gründung des Teams sollte die Position der Autoren dem Verlag gegenüber stärken.

In einem Brief an den Geschäftsleiter des Arthur Moewig-Verlags, Herrn Rolf Heyne, drückte es Horst Gehrmann so aus: Das ARBEITSTEAM VANGUARD wurde zum Teil gegründet, um alles das auszuschalten, was einer reibungslosen Zusammenarbeit zwischen den derzeitigen Rhodan-Autoren unter sich und dem Team und dem Verlag im Weg steht.

Am 5.Januar 1968 schrieb Willi einen Brief an seine Kollegen und teilte ihnen mit, dass er von Herrn Hauck damit beauftragt wurde, eine Zusammenfassung der Rhodan-Bände Nr.1 - 9, sowie 12 Inhaltsangaben von Perry Rhodan-Bänden zu schreiben. Diese Zusammenstellung sollte ein repräsentativer Querschnitt durch die Rhodan-Serie sein und möglichst viele Höhepunkte beinhalten.

Zweck der Arbeit war es, die Rhodan-Serie an eine TV-Gesellschaft in den U.S.A. zu verkaufen.

Wie man weiß, blieb es bei dem Versuch.

Einen anderen Versuch startete das ATV, angeführt von H. Gehrmann als „Projektleiter“. Er nahm Kontakt zum Bastei-Verlag auf und unterbreitete dem zuständigen Redakteur die Idee, eine kriminal-utopische Taschenbuchreihe mit dem Serien-Arbeitstitel „Unternehmen Omega“ auf den Markt zu bringen. Außer Gehrmann, der auch für die Exposés zuständig sein sollte, waren Scheer, Ernsting und Voltz als Autoren vorgesehen. Kneifel und Mahr plante man für später ein. Bastei war nicht abgeneigt und der zuständige Redakteur schrieb am 5.März 1968 einen ausführlichen Brief an Gehrmann, in dem er die Vorstellungen des Verlags aufführte und darum bat, einen Gesprächstermin mit allen Autoren zu vereinbaren, um „Nägel mit Köpfen“ zu machen.

Die Autoren befürworteten zwar die Idee des „zweiten Standbeins“; es gab jedoch auch die Befürchtung, dass man sich selbst Konkurrenz machen könnte. In einem Schreiben vom 11.3. drückte Walter Ernsting seine Bedenken aus. Er schrieb über Vor- und Nachteile des geplanten Projekts und meinte unter anderem: Wir haben Moewig gegenüber eine moralische Verpflichtung, der wir uns nicht entziehen können.

Unter diesen Brief setzte Walter noch eine handgeschriebene persönliche Notiz an Willi.

Notiz von Wlater Ernsting.

Der Team-Igel war ich. Willi gab mir den Spitznamen "Igel" nachdem ich mir die Haare für seinen Geschmack zu kurz hatte schneiden lassen.

In der Zwischenzeit hatte Willi die Perry Rhodan-Romane Nr. 351 „Der versklavte Riese“ (sein Vorschlag war „Freiheit für Tro Khon“), Nr. 355 „Der Doppelagent von Rumal“ („Die Batabono Story“), sowie Nr. 356 „Ein Zeitpolizist desertiert“ („Die Spur führt mach M-87), fertig gestellt.

Brief von W. Hauck, 9.2.68.
Bild klicken zum lesen.

Am 9.2.68 schrieb Herr W. Hauck einen Brief an Willi. Wenn es im Verlag „brannte“, wusste man immer, von wem Hilfe zu erwarten war.

Herr König von QUELLE-FEATURES war über Willis Mitarbeit an den Perry-Comics ebenfalls sehr erfreut, und es entwickelte sich über mehrere Jahre eine angenehme Zusammenarbeit.

 

Top

Teil 13
Teil 15