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Über William Voltz
Biografie - Teil 11

Willi an seinem neuen Schreibtisch (Foto: Dirk Hess).

In unserer neuen Wohnung hatten wir uns eingerichtet und Willi konnte zum ersten Mal in seinem eigenen Zimmer arbeiten. Geschrieben wurde immer noch auf der alten Schreibmaschine, Marke OPTIMA, die er von K.H. Scheer gekauft hatte.

Das Jahr 1967 begannen wir mit Freunden. Wie immer in unseren jungen Jahren war der Beginn eines neuen Jahres etwas Besonderes und ein Anlass zum Feiern.

Es sollte ein ereignisreiches Jahr werden.

Am 14. Januar 1967 erschien Band Nr. 278 „In geheimer Mission auf Lemuria“ von William Voltz, in dem als Neuigkeit die erste Ausgabe der PERRY RHODAN Lexikon-Seite gebracht wurde. Diese Seite sollte dazu beitragen, die inzwischen große Anzahl RHODAN - spezifischer Begriffe den Lesern

Cover - Die Macht der Träumer.

verständlicher zu machen.

Am  10. und 17. Januar kamen die Verträge für Willis Romane Nr.292 „Bahnhof im Nichts“ (erschienen unter dem Titel „Der Bahnhof im Weltraum“) und Nr.293 „Unternehmen Central- Station“.

Darauf folgte am 7.Februar der Vertrag für das fünfte Perry Rhodan Taschenbuch von William Voltz „Die Macht der Träumer“.

Dieses Taschenbuch erschien etwa zu der Zeit als der Film „SOS AUS DEM WELTALL“ in die Kinos kam (Premiere 20.10.1967).

Unser Privatleben kam auch nicht zu kurz. Gerne besuchten wir unsere alte Stammkneipe „Glühwürmchen“ in der Karlstraße in Offenbach. Es war, als wir in der Bleichstrasse wohnten, für uns „gleich um die Ecke“. Die Wirtin, eine liebe und charmante Wienerin, war neben Karl Herbert Scheer  unsere Trauzeugin. Das Verhältnis unter den Stammgästen erinnerte uns immer an eine große Familie. Wir lernten nette Menschen kennen und verbrachten viele angenehme Stunden in diesem Kreis.

Zu seiner eigenen Familie hatte Willi kaum Kontakt. Sein Vater schien kein großer  „Familienmensch“ zu sein, und das hatte sich wohl auf den Sohn übertragen. Ich  bedauerte es sehr, dass man sich nur selten traf, denn alle Mitglieder der Familie, die ich bisher kennen gelernt hatte, waren ausgesprochen liebenswerte Menschen.

Ria mit Lloyd.

Da gab es beispielsweise Tante Ria, eine Schwester von Willis Vater, und ihren Mann Ludwig, einen Offenbacher Architekten. Onkel Ludwig erzählte gerne alte Geschichten, u.a. die vom Umzug in die Bleichstrasse Ende 1959. Willis Eltern besaßen einen riesigen Gummibaum, der zu dieser Zeit in keinem deutschen Haushalt fehlen durfte. Die überdimensionale Pflanze wuchs bis zur Decke und von dort zur anderen Seite des Zimmers. Als die Frage aufkam, wie man dieses monströse Teil in die Bleichstrasse transportieren könne, hatte Ludwig eine Idee. Er fuhr damals einen Lloyd, im Volksmund „Plastikbomber“ genannt, und  schlug vor, den Gummibaum durch das geöffnete Dach in sein Auto zu stellen. Willi solle, mit einer Taschenlampe bewaffnet, die Pflanze am Ende festhalten und hinter dem Auto herlaufen.

Brief zur Kontaktseite. Bild klicken zum lesen.

Willi war von diesem Vorschlag nicht begeistert. „Mit mir kann man´s ja machen“, meinte er und tat seinen Eltern den Gefallen.  Alle Beteiligten, inkl. Gummibaum,  kamen damals ohne große Schwierigkeiten in der Bleichstrasse an.

Willi arbeitete an den Romanen Nr. 299 „Am Ende der Macht“  und  Nr. 301 „Die Plattform des Schreckens“.  Die Jubiläumsbände wurden damals von K.H. Scheer geschrieben. Mit seinem Band Nr. 300 „Alarm im Sektor Morgenrot“ wurde M-87, der sechste Perry Rhodan-Zyklus,  gestartet.

In Band Nr. 302 erschien zum ersten Mal eine Leserkontaktseite, die damals von einem Mitarbeiter des Moewig Verlags in München gestaltet wurde. Schon bald wurde um Willis Hilfe bei der Kontaktseite gebeten, deren Bearbeitung er später ganz übernehmen sollte.

Am 15.03.1967 unterschrieb Kurt Bernhardt den Vertrag für einen Story Band von William Voltz mit dem Titel: „Der Mann mit dem 6. Sinn“, der in der TERRA-Normal-Reihe erscheinen sollte.

Der Chefredakteur K. Bernhardt, dem die Idee zur PERRY RHODAN-Serie zu verdanken war, überraschte die Autoren mit dem Vorschlag, dass er eine separate ATLAN - Serie auf den Markt bringen wolle. KHS, der die Exposé-Redaktion übernehmen sollte, hatte berechtigte Bedenken, dass er dem Termindruck nicht standhalten könne. Er besprach das Thema ATLAN mit Willi, der ihm Hilfe und Unterstützung zusagte. K.H. Scheer begann mit der Ausarbeitung der beiden ersten Exposés. 

Cover - Der Mann mit dem sechsten Sinn.

Bereits am 23.03.1967 wurde im Moewig-Verlag in München Willis erster Verlagsvertrag für einen Atlan Roman  ausgestellt. Damals noch als Atlan Nr.2 bezeichnet, bekam das Manuskript den Titel „Das Psycho-Team.“ 

Dieser Vertrag enthielt einen Nachtrag:
Der Roman erscheint unter dem Autorennamen William Voltz auf der ersten Textseite. Auf der Titelseite steht wie bei den Perry Rhodan-Heften  „Die große Serie von K.H. Scheer“ (Arbeitstitel).      

Einen Monat später, am 26.4.1967, unterschrieb Kurt Bernhardt den Vertrag für Willis zweiten Atlan Roman „Bitterer Sieg“  (Atlan Nr. 4). Mit dem Titel „Die Doppelgängerin“ und als Band Nr. 5 wurde der Roman veröffentlich, jedoch erst im Jahr 1969.  Verlagsinterne Überlegungen hatten den Erscheinungstermin für die Atlan-Serie verzögert.

Ebenfalls im April 1967 unterschrieb Willi den Vertrag für sein PERRY RHODAN Taschenbuch „Tunnel in den Hyperraum“, das mit dem Titel „Tunnel in die Unendlichkeit“ und als Nummer 42 erscheinen sollte.                        

Cover - Tunnel in die Unendlichkeit.

Wir freuten uns auf Pfingsten. Unser Kegelclub plante eine Busreise nach Paris, und wir konnten den Tag der Abreise kaum erwarten. Wir waren noch nie in Paris. Endlich war es so weit. Wir trafen uns donnerstagabends mit unseren Freunden am Bahnhof in Offenbach und fuhren nach Frankfurt. Dort mussten wir zum verabredeten Treffpunkt gehen und auf den Bus nach Paris warten.

Wir nahmen unsere Plätze ein. Der Bus war nur zur Hälfte besetzt. Das sollte sich in Karlsruhe ändern, denn dort wurde gehalten, um weitere Fahrgäste aufzunehmen.

Damals waren die Busse noch nicht so komfortabel wie heute. Es störte uns nicht, dass wir viele Stunden auf einem engen Sitz verbringen mussten und nur selten eine Gelegenheit bekamen die Beine zu vertreten.

Als es langsam hell wurde, näherten wir uns Paris. An einer Raststätte nahmen wir ein kleines Frühstück zu uns. Es gab französischen Kaffee und ein Croissant. Die Busfahrer wurden wie alte Freunde begrüßt und wir nahmen an, dass sie „ein bisschen was davon hatten“, dass sie die Fahrgäste in diese Raststation brachten.

Die Fahrt ging weiter und endlich sahen wir die ersten Wahrzeichen von Paris. Wir wurden mitten in die Stadt gefahren. In einer Seitenstraße hielt der Bus. „Dies ist Ihr Hotel“, sagte der Begleiter. „Wir und einige der Fahrgäste sind in dem Hotel gegenüber.“  Die Vermutung lag nahe, dass das Hotel gegenüber das bessere war. Aber was konnten wir verlangen für einen Gesamtpreis von DM 76.--, der drei Übernachtungen mit Frühstück sowie die Busfahrt  beinhaltete?  

Das Hotel wurde von einer resoluten, rothaarigen Dame geleitet. Das einzige Personal, das wir in diesen drei Tagen zu sehen bekamen, war eine kleine, ältere Frau, die offensichtlich nur noch auf einem Auge sehen konnte. Uns wurde erklärt, dass in dem winzigen Raum neben der  Rezeption das Frühstück serviert wurde, aber nur für die Gäste von der letzten Etage.

Die Frau deutete uns an, ihr zu folgen. Es gab nur einen kleinen Aufzug, und wir entschlossen uns, die Treppen zu benutzen. Im dritten Stock wurden die ersten Zimmer verteilt. Danach ging es weiter in die vierte, scheinbar letzte Etage. Als alle Zimmer belegt waren, standen neben Willi und mir noch zwei Paare auf dem Flur. Wir sahen uns fragend an. Wo sollten unsere Zimmer sein? Waren nicht genug Zimmer reserviert worden?  Die Hausdame erzählte uns etwas, wovon wir kein Wort verstanden. Wir folgten ihr zum Ende des Ganges. Sie zog an einer Schnur die von der Decke herunterhing. Die Decke öffnete sich und es kam eine Leiter herunter. Wir sahen uns erstaunt an und fragten uns, ob wir wirklich über diese Hühnerleiter zu unseren Zimmern gelangen würden. Es war so. Die Frau zeigte uns durch Handbewegungen an, dass wir nach oben gehen sollen. Im Dachgeschoss angelangt stellten wir fest, dass es dort noch drei Zimmer gab. Willi und ich entschieden uns für das Zimmer auf der rechten Seite des Ganges. Es war ein kleines Zimmer mit einer Luke, die einen typischen Blick über die Dächer von Paris bot. Vor dem Fenster stand  ein französisches Bett und hinter einer Bretterwand waren ein Waschbecken und – wir waren schließlich in Frankreich – ein Bidet untergebracht. Mit gemischten Gefühlen sahen wir uns um. Das Bett schien frisch bezogen zu sein, dagegen war das Waschbecken mehr als verschmutzt. Wir sahen nach unseren Freunden, um zu erfahren, was sie von dieser Unterbringung hielten.

Kegler in Paris.

„Na ja, meinte Winfried, „ einladend ist es nicht, aber wir haben keine andere Wahl!“  So dachten auch Willi und ich. Willi meinte, dass wir wohl die wenigste Zeit im Zimmer verbringen würden, und alle stimmten zu. Wir hatten uns gerade mit unserer Situation abgefunden, als Helga heraufkam. „Wo hat man euch denn untergebracht?“ rief sie verwundert. „Marianne will wieder nach Hause fahren. Sie weigert sich, in diesem Hotel zu bleiben.“  

Wir gingen nach unten und stellten fest, dass unsere Kegelfreunde ein weitaus besseres Zimmer hatten als wir. Es war größer, hatte richtige Fenster und machte einen wesentlich besseren Eindruck. Marianne war verzweifelt. „Komm´ mal mit“, sagte ich zu ihr. „Ich möchte dir etwas zeigen!“ Als sie unser Zimmer sah, fragte sie erstaunt: „Und ihr bleibt hier?“  Wir überzeugten sie davon, dass wir für diesen Preis nichts Besseres erwarten konnten, und dass wir bereit waren, die Situation zu nehmen wie sie nun einmal war.

Jetzt wussten wir auch, warum nur die Bewohner der letzten Etage das Frühstück in dem kleinen Raum einnehmen mussten. Die alte Hausdame brachte jeden Morgen das  Frühstück zu den Zimmern. Da es für sie unmöglich war, mit den Tabletts die Hühnerleiter hinaufzuklettern, wurde für uns unten serviert.

Café de la Paix.

Niemand fuhr frühzeitig nach Hause und wir hatten ein wunderschönes Wochenende mit den unterschiedlichsten Erlebnissen, über die wir noch nach Jahren sprachen. Wir stellten schnell fest, dass es teuer war in Paris gut zu essen. Am ersten Tag brachten uns die Busfahrer in ein Mittelklasse-Restaurant zum Mittagessen. Auch hier waren die beiden gut bekannt. Zwei unserer Kegelfreundinnen wollten nur Salat essen, weil sie nicht sehr hungrig waren. Es war eine unangenehme Überraschung für Sie, als sie feststellten, dass sie das ganze Menu bezahlen mussten, aus dem der Salat serviert wurde. Andere Länder - andere Sitten. Wir mussten uns mit diesen vertraut machen und aßen fast nur noch französische Sandwichs. Sie waren gut und billig.

Zum Schlafen kamen wir kaum – und das war uns recht so. Alle wollten in diesen paar Tagen so viel Paris wie nur möglich aufnehmen und erleben.     

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